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Sozialpartner verbünden sich

Maßnahmen gegen Hartz-IV-Karrieren

Samstag, 05 September 2015 17:23 geschrieben von  Torsten Müller
Maßnahmen gegen Hartz-IV-Karrieren Quelle: derfflinger.de

Berlin - In Deutschland fallen Millionen Menschen dauerhaft in die Hartz-IV-Falle. Von den sechs Millionen Hartz-IV-Empfängern leben schon 2,8 Millionen seit mindestens vier Jahren von der Grundsicherung. Darunter befinden sich 640.000 Kinder. Laut Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden fallen vor allem Familien immer häufiger durch das Raster. Es gibt darunter 112.000 Familien, deren Kinder das schulpflichtige Alter erreicht haben und bei denen dennoch keiner der beiden Elternteile arbeiten geht. Vor allem die Kinder aus solchen Familien wachsen in der Folge mit dem Bewusstsein auf, dass der dauerhafte Bezug von Hartz IV ganz normal sei.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) haben nun einen „Aktionsplan gegen Kinderarmut“ entwickelt, mit dem es gelingen soll, solche Eltern schneller in Arbeit zu bringen, um sie und ihre Kinder vor dauerhaften Hartz-IV-Karrieren zu bewahren. Der Bund soll in den nächsten drei Jahren in dieses Projekt 280 Millionen Euro investieren.

Der in der BDA für Arbeitsmarktfragen zuständige Peter Clever sagte dazu: „Wenn Kinder über Jahre hinweg erleben, dass nicht einmal ein Elternteil erwerbstätig ist, dann hat das pädagogisch schlimme Folgen.“ Das Vorstandsmitglied des DGB, Annelie Buntenbach sprach in diesem Zusammenhang von einem „konkreten wichtigen Schritt gegen Kinderarmut“. Sie lobte das diesbezügliche Mitwirken der Arbeitgeberseite. Problematisch sei auch, dass die Zahl der Langzeitarbeitslosen seit geraumer Zeit bei einer Million stagniere.

Das Konzept sieht vor, dass vorhandene Förderangebote besser verknüpft und auf die betreffenden Familien zugeschnitten werden. Auch staatlich geförderte Beschäftigung sei eine Option. Auch Clever trägt diesen Bestandteil des Konzepts mit. Den „Teufelskreis der sich vererbenden Hartz-IV-Abhängigkeit“ zu durchbrechen sei so wichtig, „dass wir hier auch mal Fünfe gerade sein lassen“. Buntenbach und Clever sprachen sich aber auch dafür aus, dass Mitarbeiter der Jobcenter zielgenaue Strategien mit den Betroffenen erarbeiten sollen. Die einzelnen Maßnahmen sollen aber im Verantwortungsbereich der Jobcenter und Kommunen liegen. Ziel des Konzepts ist, dass nach spätestens einem Jahr mindestens ein Elternteil in Arbeit gebracht wurde.

Clever forderte auch, dass die Probleme der hiesigen Hartz-IV-Bezieher nicht durch die Belange der Flüchtlinge an den Rand geraten dürfen. Clever dazu wörtlich: „Bei aller dringenden Notwendigkeit, uns der Flüchtlinge anzunehmen, halten wir die bei uns gewachsenen strukturellen Probleme der Langzeitarbeitslosigkeit fest im Blick.“

Die Gefahr, dass die Sorgen und Nöte der finanziell Schwachen des eigenen Volkes ins Hintertreffen geraten, weil sich die Politik nur noch um Asylbewerber kümmert, ist durchaus gegeben.

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