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Keine Einigung zwischen GDL und EVG in Sicht

Machtkampf der Gewerkschaften

Donnerstag, 20 November 2014 23:09 geschrieben von  Torsten Müller
GDL-Chef Claus Weselsky GDL-Chef Claus Weselsky Foto: GDL

Berlin - Nach diversen Streiks konnte in den Tarifverhandlungen zwischen der Deutschen Bahn, der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) bisher keine Einigung erzielt werden. Auch ein Spitzengespräch in Köln blieb ohne Erfolg. An dem Gespräch hatten Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber, GDL-Chef Claus Weselsky und der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner teilgenommen.

Bisher konnte man sich nicht auf ein Verfahren verständigen, bei dem die beiden relevanten Gewerkschaften gemeinsame Tarifverhandlungen durchführen können. Kircher sagte zum Ausgang des Spitzengesprächs: „Wir hatten die Chance, die Spaltung der Belegschaft zu verhindern, das ist am Widerstand der GDL gescheitert.“ Nun sollen getrennte Tarifverhandlungen stattfinden, erst mit der EVG, dann mit der GDL.

Weber sagte dazu: „Wir stehen in der Verantwortung für unsere Mitarbeiter, die bisher nach einheitlichen Regeln gut arbeiten.“ Die Bahn legt Wert darauf, konkurrierende Regelungen für eine Berufsgruppe innerhalb des Unternehmens zu vermeiden. Primäres Ziel der EVG ist ebenso die Tarifeinheit. Es dürfe nicht sein, dass es „innerhalb einer Berufsgruppe unterschiedliche Tarifverträge gibt“. Man werde „für dieses Ziel mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln kämpfen.“ Auch beansprucht die EVG die Zugbegleiter für sich und will für sie die Tarifverhandlungen führen.

Ziel der GDL ist es wiederum, eigene Tarifverträge für ihre Mitglieder beim gesamten Bahnpersonal durchzusetzen – auch für Zugbegleiter oder Lokrangierführer.

Es geht den Führungen der beiden Gewerkschaften nur am Rande um ihre Mitglieder, primär geht es um Machtzuwachs. Beide Gewerkschaften hegen einen Alleinvertretungsanspruch für ihre Mitglieder. Weselsky begründet dies mit der grundgesetzlich verbrieften Koalitionsfreiheit.

Die Bahn hat bisher keine Handhabe gefunden, die Gewerkschaften zu gemeinsamen Verhandlungen zu bringen. Weitere Streiks sind also sehr wahrscheinlich.

Leidtragender ist letztlich neben den Bahnkunden die deutsche Wirtschaft. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) schrieb zu den wirtschaftlichen Schäden, die die Streiks mit sich bringen: „Bei durchgängigen Streiks von mehr als drei Tagen sind in der Industrie Produktionsunterbrechungen zu erwarten. Die Schäden können dann schnell auf mehr als 100 Millionen Euro pro Tag steigen.“

Und das nur, weil einige Gewerkschaftsfunktionäre ihre Macht erweitern wollen.

Letzte Änderung am Donnerstag, 20 November 2014 23:13
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