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Irrungen und Wirrungen des Gutmenschentums

Manuela Schwesig für Unisex-Toiletten

Dienstag, 23 September 2014 17:27 geschrieben von  Johann W. Petersen

Berlin - Als die Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg im März letzten Jahres auf Antrag der Piraten die Einführung sogenannter Unisex-Toiletten in öffentlichen Gebäuden beschloss, spöttelten weite Teile der Republik über diese Idee. Wegen einer bestehenden Haushaltssperre konnte der Beschluss allerdings noch nicht umgesetzt werden. Dafür wurden in drei Rathäusern sowie im Gesundheitsamt des Bezirks Berlin-Mitte entsprechende stille Örtchen eingerichtet, die Intersexuellen und anderen in ihrer Geschlechteridentität Unsicheren eine Möglichkeit bieten, ihr Geschäft zu verrichten, ohne sich dafür zwischen einer Herren- und Damentoilette entscheiden zu müssen.

Mittlerweile wurde das Thema auf eine neue Ebene gehoben. In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der LINKEN im Bundestag (http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/024/1802482.pdf ) zum Thema „Zwischen Geschlecht – Zur sozialen Lage Transsexueller, Intersexueller und Transgender“ sprach sich nämlich nun auch Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) für die Einführung von Unisex-Toiletten aus. Konkret ging es in der Frage um entsprechende „Problemlösungen“ in Schulen oder beim Sportunterricht.

Schwesig verweist in ihrer Antwort „exemplarisch auf Schweden, wo Toiletten oft geschlechtsneutral sind, und Kalifornien, wo transsexuellen Schülern gesetzlich die freie Auswahl bei geschlechtsspezifischen Angeboten erlaubt ist“. Unter Bezugnahme auf ein „Berliner Arbeitspapier“, dessen Inhalt sie sich zueigen macht, führt sie weiter aus: „Schülerinnen und Schülern sollte gestattet werden, die Toilette zu nutzen, die ihrer Geschlechtsidentität entspricht. Grundsätzlich empfiehlt sich das (zusätzliche) Einrichten von Unisex- oder All-Gender-Toiletten, die allen Schülerinnen und Schülern zugänglich sind. Eine Alternative könnte, falls gewünscht, eine Absprache zur Nutzung der jeweiligen Lehrkräftetoilette bzw. der barrierefreien Toilette sein.“ Wegen der Privatsphäre „sollte in jedem Fall darauf geachtet werden, dass der Zugang zu Einzelkabinen gewährleistet ist“.

Man kann sich nur wundern, welche Sorgen das politische Berlin den lieben langen Tag so umtreiben. Immerhin hat Manuela Schwesig mit ihrer Antwort unter Beweis gestellt, dass das Thema Unisex-Toiletten mittlerweile nicht mehr nur ein Spleen von exotischen Politfiguren in alternativ geprägten Berliner Bezirken ist, sondern offenbar auch auf der Agenda der Bundesregierung steht. Man darf gespannt sein, was die Große Koalition im Laufe der Legislatur noch alles aus solchen Kreisen übernehmen wird.

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