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Bereinigte Bernd Lucke sein "Politbüro"?

Marcus Pretzell schmeißt bei AfD hin

Freitag, 17 Oktober 2014 16:02 geschrieben von  Johann W. Petersen
Marcus Pretzell Marcus Pretzell Quelle: afd-bielefeld.de

Köln - Der Europaabgeordnete und Landessprecher der AfD in Nordrhein-Westfalen, Marcus Pretzell, ist von seinem Amt als Beisitzer im AfD-Bundesvorstand zurückgetreten. In einer am Mittwoch verbreiteten Erklärung heißt es dazu, Pretzell wolle sich künftig seiner Arbeit in NRW widmen. „Im Hinblick auf die Wahlen in 2017 und für die weitere Stabilisierung der Partei bin ich dort gefordert und sehe dort die besten Wirkungsmöglichkeiten für mich innerhalb der Partei“, so der 41-jährige Jurist.

In seiner Erklärung betont der AfD-Parteivorstand, „dass dem Rücktritt von Marcus Pretzell weder eine Rivalität, noch ein Streit noch ein Machtkampf“ zugrundeliege. Vielmehr sei man sich „in den politischen Zielen der AfD völlig einig“ und werde dafür „an unterschiedlicher Stelle dafür gemeinsam weiterkämpfen“. Diese Einigkeit bezweifeln Beobachter allerdings, zumal Pretzell als einer der härtesten Widersacher von Parteichef Bernd Lucke gilt. Zwischen beiden gebe es schon seit einiger Zeit Differenzen inhaltlicher Natur wie auch über den Parteiaufbau, den der nordrhein-westfälische Landeschef basisdemokratischer gestalten möchte, heißt es.

Am deutlichsten wurden die Differenzen zwischen Pretzell auf der einen und Lucke sowie der Mehrheit der AfD-Abgeordneten auf der anderen Seite bei zwei Abstimmungen im Europaparlament, die die Gemüter vieler Anhänger erhitzte. Im Juli stimmte Pretzell als einziger AfDler in Straßburg gegen eine Ukraine-Resolution, die Sanktionen gegen Russland begrüßte, im September votierte er zusammen mit seiner Berliner Parteifreundin Beatrix von Storch gegen das Assoziierungsabkommen zwischen der EU und der Ukraine, während der Rest der AfD-Abgeordneten sich dafür aussprach.

Am deutlichsten sichtbar wurden die unterschiedlichen Auffassungen zwischen Pretzell und Lucke, als der NRW-Landeschef vor der Europawahl an einer vom AfD-Jugendverband organisierten Veranstaltung mit dem britischen UKIP-Vorsitzenden Nigel Farage in Köln teilgenommen hatte. Lucke wollte die Veranstaltung wie auch Pretzells Teilnahme damals verhindern, weil er stets die Distanz der AfD zu den britischen EU-Skeptikern betont hatte. Pretzell widersetzte sich allerdings der Anweisung aus Berlin. Für Lucke ein schwerer Fauxpas. „Nigel Farage einzuladen ist ein Zeichen von mangelndem politischem Fingerspitzengefühl“, so der AfD-Bundessprecher damals.

In Pretzells Landesverband gab es zuletzt Probleme mit der vom Parteivorstand verordneten Abgrenzung nach rechts. Zwei Duisburger AfD-Ratsherren stimmten offen zugunsten der NPD ab, und auch mit PRO NRW soll es Absprachen auf kommunaler Ebene gegeben haben. Pretzell lehnt derartige Kooperationen zwar ab, sie werden ihm aber von parteiinternen Gegnern zur Last gelegt. Ob sich nach seinem Rückzug auf Bundesebene die Wogen nun glätten werden, bleibt abzuwarten.

Letzte Änderung am Freitag, 17 Oktober 2014 16:18
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