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Umfrage Terrorismusangst

Mehrheit der Deutschen befürchtet baldigen Anschlag der Islamisten

Freitag, 06 Februar 2015 20:48 geschrieben von 
Terror-Anschlag Terror-Anschlag

Magdeburg - Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGo im Auftrag der Deutschen Presse Agentur (dpa) befürchten sechzig Prozent der Deutschen einen baldigen Terroranschlag im Land.

Demnach gaben nur 26 Prozent der Befragten an, keine Angst vor einem solchen zu haben. Vierzehn Prozent wollten keine Angabe machen. Die Angst vor einem Anschlag in Paris treibt fast jeden Zweiten dazu, die Regeln für Bundeswehreinsätze im Inneren des Landes lockern zu wollen. In Frankreich sicherten tausende Soldaten nach den Anschlägen auf das Satiremagazin „Charlie Hebdot“ wichtige öffentliche Gebäude im Land und halfen bei der Fahndung nach den Tätern. In Deutschland wäre ein solcher Einsatz durch das Grundgesetz verboten und bedürfte einer Lockerung. 48 Prozent sprachen sich dafür aus, 34 Prozent wollen dies nicht.

Vierzig Prozent der Befragten erklärten zudem, den Terror des Islamischen Staats (IS), den dieser im Irak und in Syrien ausübt, zur weltweit gefährlichsten Krise. Vor diesem verblassen auch alle anderen Krisenherde, die aktuell in der Welt sind: so fühlten sich nur noch 29 Prozent durch den Ukrainekonflikt und seine möglichen Auswirkungen bedroht. Die Ebolaepidemie fällt mit sechs Prozent ebenfalls kaum mehr ins Gewicht. Ebenso die Geschehnisse in Nigeria: Die Boko Haram wird ebenso wie der Israel-Palästina-Konflikt nur mehr von vier Prozent als bedrohlich angesehen.

Der Konfliktforscher Andreas Zick, Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung Bielefeld, warnt unterdessen vor den Auswirkungen der zunehmenden Terrorangst der Deutschen. So fürchtet er als Folge eine stärkere Diskriminierung der hierlebenden Muslime. „Im schlimmsten Falle führt Bedrohung direkt zur Forderung nach einer stärkeren Diskriminierung“, so der Experte. Menschen, die ohnehin an Stereotype und Vorurteile glaubten, würden in ihrem Denkschema bestärkt.

Unter dem Titel „Diskussion über den Zustand der Welt im Jahr 2015“ treffen sich am Wochenende zwanzig Staats- und Regierungschefs, sowie etwa sechzig Außen- und Verteidigungsminister zur 51. Tagung der Münchner Sicherheitskonferenz im Bayrischen Hof um die Krisenherde der Welt zu diskutieren, wie es heißt. Neben dem US-Vizepräsidenten Joe Bidden wird der EU-Parlamentspräsident Martin Schulz ebenso erwartet wie der russische Außenminister Sergej Lawrow, der stellvertretende UNO-Generalsekretär Jan Eliasson, Greenpeacechef Kumi Naidoo und US-Außenminister John Kerry.

„Die Frage der globalen Unordnung ist überall in den Mittelpunkt der politischen Agenda gerückt“, erklärt der Chef der Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger. Neben dem weiteren Vorgehen im Ukrainekonflikt und dem Verhältnis zu Russland wird es um den Islamischen Staat, die Stärkung der Vereinten Nationen und die Flüchtlingssituation gehen. Im Publikum finden sich bezeichnenderweise vor allem Abgeordnete aus Deutschland und den USA. Auch die Haltung gegenüber Griechenland, welches gerade „prorussische“ Züge unter der neuen Regierung entwickelt, werde zu diskutieren sein, heißt es aus amerikanischer Ecke. „Natürlich versucht Russlands Präsident Wladimir Putin, die Einigkeit des Westens und der EU zu stören. Und ich glaube, dass die neue griechische Regierung versuchen wird, dieses Thema als Pfand bei den Verhandlungen mit der EU über eine Umschuldung einzusetzen. Aber die Griechen wissen auch, dass es selbstmörderisch wäre, am Ende an der Seite Putins zu stehen. Wenn Europa zusammenhält, muss Putin seinen Kurs ändern“, so der ebenfalls geladene US-Milliardär George Sorros.

Joe Bidden werde die Gelegenheit nutzen, um über die von Amerikanern und Europäern errichtete internationale Ordnung zu sprechen, die Länder wie Russland nun, so das Weiße Haus, in Frage stellen. Zudem sei ein Treffen zwischen Bidden, Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko geplant.

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