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Milchwirtschaft

MIV-Milchgipfel in Brüssel

Dienstag, 01 März 2016 23:28 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
MIV-Milchgipfel in Brüssel MIV-Milchgipfel in Brüssel Bildquelle: PIXABAX.COM

Brüssel – Vergangene Woche fand in der bayerischen Vertretung in Brüssel mit mehr als 200 Teilnehmern der Branche nebst hochrangigen Vertretern aus EU-Kommission und EU-Parlament der MIV-Milchgipfel statt. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion debattierten der MIV-Vorsitzende Peter Stahl, der bayerische Staatsminister Helmut Brunner, der stellvertretende Generaldirektor der GD AGRI (Kommission) Joost Korte, MdEP Ulrike Müller und MdEP Herbert Dorfmann über das Thema „Die Europäische Milchwirtschaft im Spannungsfeld globaler Entwicklungen“. Auch wenn allgemein eine Rückkehr zur Milchquote abgelehnt und vielmehr die  Marktteilnehmer in die Verantwortung genommen wurden, privatwirtschaftliche Lösungen zu finden, wurde dennoch die Notwendigkeit politischer Rahmenbedingungen betont. Einige Landwirte unter den Teilnehmern wiesen den Vorwurf von sich, Ursache der Überproduktion zu sein, da beispielsweise in gewissen Regionen eine Ausweitung der Produktion aufgrund der geographischen Begebenheiten gar nicht möglich sei. Darüber hinaus machten diese deutlich, zusammen mit den Molkereien auch die Last von politischen Beschlüssen wie dem Russland-Embargo zu tragen.

Eine neue Expertengruppe bei der Kommission soll vor allem den paradoxen Mechanismus prüfen, dass in schlechten Zeiten mehr gemolken wird als der Markt vertrage. Ziel der Expertengruppe sei die Besserstellung des Erzeugers in der Lieferkette, wobei der LEH dieses Mal in die Prüfung mit eingeschlossen sein wird. Um auf Augenhöhe mit dem LEH zu verhandeln, solle man Vermarktungskontore und Preismodelle diskutieren, so ein weiterer Vorschlag aus dem Publikum. Da die Landwirte bei Warenterminbörsen überfordert seien, könnten die Molkereien daher die Dienstleistung dafür übernehmen. Herr Dorfmann wies auf die notwendige Förderung von Milcherzeugern in Berggebieten hin, die keine Alternative hätten. Staatsminister Brunner vertrat die Auffassung einer modernen Milchpolitik mit mehr und flexibleren Instrumenten und appellierte an die Discounter und Molkereien, nicht durch Sonderangebote und Unterbieten, sondern durch echte Verhandlungen, den Verbraucherpreis wieder auf ein normales Niveau zu bringen.

MIV-Vorsitzender Stahl betonte, dass die Politik verlässlich sein müsse und nicht alte Ideen als neue verkaufen dürfe. Ein Strukturwandel bei Erzeugern und Molkereien sei in der aktuellen Situation unumgänglich, aber auch aufgrund modernisierter Arbeitsabläufe, die weniger Personal erforderten. Innovative Molkereien mit starken Marken halten der Volatilität besser Stand als solche, die nur im commodity-Bereich aktiv sind. Herr Korte von der EU-Kommission erkannte an, dass die Lage der Milcherzeuger nicht gut sei und gestand ein, dass die stabilisierenden Markmaßnahmen der Kommission wie Finanzpaket, PLH und Intervention den Preis nicht verbessert hätten. Allerdings ist auch der Verbraucher angesprochen, der in Bezug auf Ansprüche an qualitativ hochwertige Milchprodukte die Bereitschaft aufbringen müsse, entsprechend angemessene Preise zu akzeptieren. - Geiz muss nicht zwingen immer geil sein...

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