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Sejmwahlen in Polen

Nach Oppeln treten nun auch deutsche Minderheitenvertreter aus der Woiwodschaft Schlesien auf gemeinsamer Liste zu den Parlamentswahlen an

Samstag, 15 August 2015 14:50 geschrieben von  Albrecht Lose
Flagge von Polen Flagge von Polen

Warschau – Während in der Woiwodschaft Oppeln schon seit langem deutsche Minderheitenvertreter mit einem gemeinsamen Wahlkomitee zu den Parlamentswahlen in Polen antreten, haben sich nun auch verschiedene Minderheitenvertreter aus der Woiwodschaft Schlesien dazu entschlossen, mit einer gemeinsamen Wahlliste unter den Namen „Vereinigt für Schlesien" zu den diesjährigen Parlamentswahlen, im Herbst, zu kandidieren. Dieses Wahlbündnis setzt sich aus den beiden deutschen Vereinen „Die Deutsche Gemeinschaft Versöhnung und Zukunft” und die „DFK Schlesien” zusammen.

Wie der Vorsitzende der „Gemeinschaft Versöhnung und Zukunft”, Dietmar Brehmer, bereits bei der Presseerklärung im Juli verkündete, sei es eine große Chance, Vertreter im Sejm zu haben um etwas ändern zu können „und das tut man am besten, wenn man die eigenen Angelegenheiten in die Hände nimmt.”

Der Zusammenschluß der deutschen Minderheitenvertretungen zu einem Wahlbündnis, könnte sich erfolgversprechend für die Wahl auswirken. Denn das zeigte sich bereits bei der Sejmwahl von 1922, bei der verschiedene deutsche Interessengruppen, wie Parteien und Vereine, aus den gesamten ehemaligen deutschen Ostgebieten vereint zur Wahl antraten. Dadurch war es ihnen möglich, sämtliche deutsche Vertreter ins Sejmparlament entsenden zu können. Diese Errungenschaft ging auf die Initiative des Deutschtumspolitikers Eugen Naumanns zurück, welcher zuvor die Vereinigung sämtlicher deutscher Interessengruppen zum „Deutschtumsbund zur Wahrung der Minderheitenrechte” durchsetzen konnte.

Ein weiterer Punkt, der sich positiv für das Komitee zur Wahl auswirken könnte, ist das Wegfallen der 5 % Hürde bei Minderheiten, und so wie die beiden Vereine bereits suggerierten, wolle man sich als Wahlkomitee der deutschen Minderheit registrieren lassen. Allerdins benötigt das Komitee immernoch 25.000 Stimmen, um einen Abgeordneten im Parlament zu stellen. Brehmer hält es dennoch für durchaus möglich, daß sechs Abgeordnete des Wahlkomitees ins Parlament geschickt werden können. "Ich habe den Eindruck, daß, wenn uns die regionalen Vereine unterstützen, dann haben wir die Chance, sechs Plätze im Parlament zu belegen.”

Aufgestellt wurden Kandidaten für die Kreise Gleiwitz, Rybnik, Kattowity, und Blitz. Man darf gespannt bleiben, ob noch weitere deutsche Minderheitenvertreter aus anderen Woiwodschaften Schlesiens diesem Beispiel folgen werden, um ein wenig Einfluß in der polnischen Politik zu erhalten. Denkbar wäre es auf jeden Fall, wenn man bedenkt, daß es in Schlesien auch Unabhängigkeitsbestrebungen gibt. So kämpfen etliche Schlesier seit Jahren für eine Unabhängigkeit der Provinz, welche bis 2020 mit einem Referendum verwirklicht werden soll.

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