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Amerikanisierungskritiker planen alle vier Wocheneine Demo

Nach PEGIDA nun PEGADA

Mittwoch, 28 Januar 2015 23:11 geschrieben von  Johann W. Petersen
Viele Amerikanisierungskritiker sind durch die DDR geprägt Viele Amerikanisierungskritiker sind durch die DDR geprägt

Erfurt - Etwa 1.000 Menschen folgten am vergangenen Samstag in Erfurt dem Aufruf der „PatriotischenEuropäer gegen die Amerikanisierung des Abendlandes“ (PEGADA) zu einer Protestdemonstration. Die neue Bewegung, die aus den Montagsmahnwachen hervorgegangen ist, lehnt sich in ihrer Namensgebung bewusst an PEGIDA an, setzt allerdings andere Akzente.

Statt „Ausländerthemen“ in den Vordergrund zu stellen, wendet sich PEGADA gegen die „politische, wirtschaftliche, militärische und gesellschaftliche Bevormundung“ durch die USA und eine Amerikanisierung, die sich unter anderem am geplanten TTIP, dem Wirken von Gensaat-Herstellern wieMonsanto, dem Einfluss der US-Finanzindustrie, der NSA-Bespitzelung, aber auch einer zunehmenden Verwendung von Anglizismen im Sprachgebrauch festmachen lasse.

Deutlicher als PEGIDA setzt sich PEGADA zudem für ein Ende der Sanktionspolitik gegen Russland ein, thematisiert die Souveränitätsfrage und plädiert für einen Austritt Deutschlands aus der NATO. Weitere Forderungen des Bündnisses sind „Kein Fracking in Europa“, „Gesunde Entwicklung und ein Ende des Wachstums- und Konsumwahns“, „Beendigung der Drohnenkriege“, „Drastische Reformen des Wirtschafts-, Zins- und Finanzsystems“ oder „Direkte Demokratie und Regionalisierung“.

„Focus online“ bezeichnete PEGADA neutral als ein „sehr heterogenes Bündnis“, die Evangelische Kirche sieht in der Bewegung hingegen einen „kruden Zusammenschluss von Verschwörungstheoretikern, Neonazis und Hooligans“. Gemeinsam mit allen im Stadtrat vertretenen Parteien, den Gewerkschaften und dem Erfurter Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) riefen sie zu einer Gegendemonstration auf, der sich etwa 600 Menschen anschlossen, darunter auch Antifa-Gruppen, die demonstrativ mit Israel- und US-Fahnen aufkreuzten.

Rund 200 Gegendemonstranten blockierten die Bahnhofsstraße und verhinderten so den geplanten Weg von PEGADA durch die Innenstadt. Eine weitereBlockade an einer Engstelle nahe des Busbahnhofs löste die Polizei unter Einsatz von Tränengas auf, wobei zwei Beamte verletzt wurden.

Der Anmelder der PEGADA-Veranstaltung, Konstantin Stößel, distanzierte sich in seiner Rede von PEGIDA, dadie Islamisierung nur ein Symptom, nicht jedochUrsache vieler Probleme darstelle. Die USA hätten aus geostrategischen Gründen erst eine Terrorgruppe wie den Islamischen Staat (IS) ermöglicht. Die Auswirkungen dieser Politik bekäme Europa nun zu spüren. Der Kasseler Friedensaktivist Viktor Seibel, durch dessen Adern, wie er sagte, „deutsches, russisches und ukrainisches Blut fließt“, sprach sich für „ein solidarisches und selbstbewusstes Deutschland“ und eine Überwindung des Rechts-Links-Denkens aus. Als weiterer Redner trat der von PEGIDA-Kundgebungen in Dresden bekannte ehemalige Polizeibeamte Stéphane Simon aus Leipzig auf. Der seit 23 Jahren in Deutschland lebende Franzose beklagte auf der Kundgebung die „Entfremdung der Deutschen von ihrer eigenen Geschichte, Tradition und Kultur“.

Dass die Teilnehmerschaft auf Seiten der US-Kritikernicht dem Bild entsprach, das sich die Kirchenvertreter zurechtgebastelt hatten, wurde schon anhand der Bemerkung eines Polizeisprechers deutlich, der in der Presse mehrfach zitiert wurde. Dieser hatte zu Beginn der Demonstration erklärt: „Wir können nicht auseinanderhalten, wer Gegner, wer Befürworter ist.“Tatsächlich hätte man viele der PEGADA-Anhänger vom optischen Eindruck her eher links eingeordnet. Das Bündnis kündigte mittlerweile auf seiner Facebook-Seite an, „ab sofort alle 4 Wochen eine Demo in wechselnden Orten durchführen“. Die nächste Demonstration soll am 7. Februar in München stattfinden und sich gegen die zu dieser Zeit stattfindende 51. Münchner Sicherheitskonferenz wenden.

Letzte Änderung am Mittwoch, 28 Januar 2015 23:16
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