www.derfflinger.de

Freigegeben in Politik

Terrorismus

Nahost-Expertin sieht hohe Anschlagsgefahr während des Ramadans

Montag, 29 Juni 2015 15:17 geschrieben von  Dirk Schneider
Terror-Anschlag Terror-Anschlag

Berlin - „Die Gefahr weiterer Anschläge im Fastenmonat Ramadan ist jetzt groß“, erklärte die österreichische Nahost-Expertin Karin Kneissl. „Der Ramadan ist sicher kein Monat des Waffenstillstands. Nein, im islamischen Fastenmonat wird die eigene Stärke betont.“ Auch im Irak habe es 2005 die ersten Anschläge während des Ramadans gegeben - „Immer nach eindeutigen Aufrufen der Prediger.“

So habe es im September vergangenen Jahres einen Befehl des IS gegeben, der Anschläge unter anderem mit Messer oder Autos anordnet, was somit auch die Amokfahrt in Graz in eine anderes Licht rücke, da der Fahrer im Anschluss an die Fahrt auch mit einem Messer hantierte. „Diese zusätzliche Messerattacke – das hat mich stutzig gemacht“, erklärte Kneissl. Zwar habe der Landessicherheitsdirektor Josef Klamminger mitgeteilt, beim Verdächtigen bestünde „kein Zusammenhang mit Fanatismen“. „Es handelt sich um eine Psychose mit Ausgang im Familienleben.“ Kneissl bezweifelt die offizielle Version dennoch. Denn auch in Israel, Kanada und Frankreich sei es in der jüngeren Vergangenheit zu solchen Attentaten gekommen. „Diese Amokfahrten müssen als Terroranschläge gewertet werden“, forderte Kneissl. „Ich sehe auch nicht, warum der Grazer Täter im Affekt gehandelt haben soll. Drei Wochen nach dem Ehestreit und der Wegweisung?“ Die „Art und Weise, wie hier sehr rasch andere Motive ausgeschlossen worden sind“, sei kritisch zu hinterfragen.

Europol und Interpol lägen schon länger Warnungen vor, die auf die starke Bedrohungslage Europas hinweisen, so Kneissl. „Wir bekommen jetzt die geografische und politische Nähe Europas zum Nahen Osten zu spüren. Die USA ziehen sich zurück – und Europa bleibt auf dem Scherbenhaufen sitzen.“ Deshalb müssten „alle Staatsbürger zu einem wachsamen Miteinander aufgefordert werden. Das Problem wegzureden, bringt gar nichts.“

Es handele sich um Täter von innen, die derartige Anschläge verüben: „Der Täter ist nicht radikal, weil er sich einer Terrororganisation angeschlossen hat, sondern weil er sich selbst seinen Fanatismus zusammengestellt hat.“ Diese Menschen lebten jahrelang unauffällig in Europa. „Hier ein Täterprofil zu erstellen, ist unglaublich schwierig.“

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) vermutet unterdessen, die Attentäter der drei Anschläge in Frankreich, Tunesien und Kuwait könnten sich abgesprochen haben, da alle drei Terrorakte am selben Tag stattfanden. „Mit diesen drei entsetzlichen Taten an einem Tag wird eingeschüchtert, es werden die Insignien des Islam und der Ramadan diskreditiert, und es wird den Muslimen ein großer Schaden zugefügt", erklärte der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek. "Da kommt man schon auf den Gedanken, dass es eine Absprache der Terroristen gab."

Insgesamt starben bei drei Anschlägen in den genannten Ländern mindestens 67 Menschen. Der IS bekannte sich bisher zu den Attentaten in Tunesien, wo ein Anhänger Touristen am Strand erschoss und zu dem Selbstmordattentat in Kuwait. Hier hatte sich ein Islamist in einer schiitischen Moschee in die Luft gesprengt. In der Vorwoche tötete ein Bosnier bei einer Amokfahrt durch die Grazer Innenstadt drei Menschen und verletzte mehrere teils schwer.

Artikel bewerten
(1 Stimme)