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Niederschlagung des Herero-Aufstandes

Namibia fordert Entschuldigung für Völkermord der Deutschen

Mittwoch, 08 Juli 2015 20:23 geschrieben von  Dirk Schneider
Flagge von Namibia Flagge von Namibia

Windhuk - Gemeinsam mit dem Bündnis „Völkermord verjährt nicht“ haben Delegierte aus Namibia den deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck aufgefordert, die Niederschlagung des Herero-Aufstandes 1904 bis 1908 durch deutsche Kolonialtruppen im damaligen Deutsch-Südwestafrika als Genozid anzuerkennen und sich öffentlich dafür zu entschuldigen.

Anlässlich des 100. Jahrestages des Endes der deutschen Kolonialherrschaft am 9. Juli dieses Jahres überreichte das Bündnis Ende März eine Petition mit zweitausend Unterschriften von Anerkennungsbefürwortern. Bereits einen Monat vor dem Besuch der Delegation forderten Vertreter Namibias, den Kampfeinsatz als Völkermord einzustufen und mit dem Staat über Möglichkeiten der Versöhnung zu diskutieren. Wie eine Sprecherin Gaucks erklärte, unterstütze der Bundespräsident die Bemühungen der Regierung, zu einer Lösung bei den noch offenen Fragen zu gelangen.

Wann immer eine namibische Delegation Deutschland besuchte, stellte sie die Forderung auf. So auch 2011. Damals wurden den Vertretern in einer feierlichen Zeremonie zwanzig Schädel von getöteten Hereros und Namas, die sich in der Berliner Charité befunden hatten, zurückgegeben. Linksextreme störten die Veranstaltung damals so massiv, dass die Staatsministerin des Auswärtigen Amtes, Cornelia Pieper (FDP), aus Sicherheitsgründen vorzeitig den Saal verlassen musste.

Der Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) teilt die Ansicht der Bevölkerung Namibias und bezeichnet den Krieg als „Völkermord“. Grünen-Chef Cem Özdemir erklärte Ende April: „Das zweifelhafte Privileg des ersten Völkermords in diesem Jahrhundert – das haben leider wir Deutsche.“ Dieser Vergangenheit müsse das Land sich nun stellen. „Nachdem sich der Deutsche Bundestag ehrlich gemacht hat und offen vom Völkermord an den Armeniern spricht, kann das Kapitel Südwest-Afrika in der deutschen Kolonialgeschichte nicht unbearbeitet bleiben. Eine offizielle Entschuldigung und Förderung der Aufarbeitung fehlt bis heute.“ Der Linken-Abgeordnete Niema Movassat hält die Anerkennung als Völkermord für „längst überfällig“. Er dürfe „nicht länger geleugnet werden“.

Der Bundestagspressedienst erklärte, die 1948 erlassene UN-Konvention über Verhütung und Bestrafung des Völkermordes gelte für die Bundesrepublik erst seit 1955. „Bewertungen historischer Ereignisse unter Anwendung völkerrechtlicher Bestimmungen, die im Zeitpunkt dieser Ereignisse für die Bundesrepublik Deutschland nicht in Kraft waren“, würden von der Regierung nicht vorgenommen. Individuelle Entschädigungszahlungen seien nicht vorgesehen. Ziel des deutsch-namibischen Dialoges sei es, „eine würdige Kultur des Gedenkens und Erinnerns an die damaligen Gräuel zu finden“.

Bis zu 80.000 Herero und Nama fanden in dem Kolonialkrieg gegen die Deutschen, der vor über einhundert Jahren stattfand, den Tod. Als Völkermord wird der Kriegseinsatz von deutscher Seite nicht bewertet. Die Bundesregierung erklärte 2011, sie sei sich der „historischen und moralischen Verantwortung Deutschlands“ dennoch bewusst. Dies zeige sich auch in der verstärkten Entwicklungszusammenarbeit mit den „höchsten Entwicklungsleistungen pro Kopf in Afrika“, die Deutschland in Namibia leiste.

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