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Wird Stettin US-Aufmarschbasis?

NATO-General kündigt "Ausbau der Kapazitäten in Polen" an

Montag, 28 Juli 2014 10:33 geschrieben von  Jens Hastreiter
Flagge der NATO Flagge der NATO Quelle: wikipedia.org

Berlin - In den NATO-Führungsetagen arbeitet man fieberhaft an weiteren Maßnahmen gegen Rußland. Nur so lassen sich jüngste Ankündigungen hochrangiger NATO-Funktionäre erklären, die Präsenz des westlichen Militärbündnisses in der Nähe zu Rußland massiv auszuweiten und auch mit Offensivkapazitäten auszustatten.

Nach einem Bericht der Londoner „Times“ forderte NATO-General Philip Breedlove jetzt, daß die NATO schnellstens ihre Kapazitäten in Polen ausbauen müsse. Dazu zähle vor allem der Aufbau von Waffen- und Versorgungslagern. Begründet werden die Maßnahmen mit der Sorge der NATO vor russischen Aggressionen gegen die Ukraine oder andere osteuropäische Länder. Der US-General wird beim NATO-Gipfel im September einen entsprechenden Plan vorlegen.

Breedlove traf letzte Woche mit seinen NATO-Kollegen in Neapel zusammen und informierte sie über die Planungen. Der General fordert der „Times“ zufolge, daß die Infrastruktur in Polen umgehend stehen müsse, um sehr schnell kampfbereite Truppen an der Ostflanke des Bündnisses zur Verfügung zu haben. Es würden mehrere Standorte in Polen in Betracht gezogen, Priorität habe aber die Hafenstadt Stettin an der deutsch-polnischen Grenze, das bereits Sitz des multinationalen Korps Nordost ist. „Es werden eventuelle Stationierungspunkte erörtert, als Favorit für die Errichtung des Stützpunktes gilt jedoch die an der Ostseeküste gelegene Hafenstadt Stettin“, zitiert die "Times" den NATO-General. Endgültig kann die Frage bei dem bevorstehenden Gipfeltreffen der NATO in Wales im September entschieden werden.

Polen und die Region um Stettin, das früher einmal als Hafenanschluß für das relativ nahegelegene Berlin galt, drohen durch die NATO-Pläne unmittelbar in den Sog der aktuellen und künftiger Ost-West-Krisen zu geraten. Russische Experten warnen davor, daß im Zuge der militärischen „Aufwertung“ der Hafenstadt auch amerikanische „Aegis“-Zerstörer in die Ostsee verlegt werden könnten, die eine Rolle bei den umstrittenen US-Plänen für die Errichtung eines Raketenabwehrschildes in Osteuropa spielen. Die Moskau-nahe „Stimme Rußlands“ argumentiert dazu:

„(...) Das strategische Ziel der militärischen Umfassung der westlichen Grenzen Rußlands ist von der Tagesordnung der Allianz nicht gestrichen worden. Und nunmehr wird für seine Begründung die Lage in der Ukraine genutzt, in einem Land, das kein NATO-Mitgliedsaat ist, auf den sich die Gültigkeit des Artikels fünf der Nordatlantischen Charta über die kollektive Verteidigung beziehen würde. Zu alledem braucht man wohl kaum daran zu zweifeln, daß gerade die künftige militärische Infrastruktur in Stettin zu einem Bestandteil des schiffsgestützten Raketenabwehrsystem Aegis werden kann, das die USA entlang der Seegrenzen Rußlands zu entfalten gedenken. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, schaffen die Handlungen Washingtons objektiv einen gefährlichen Herd der militärischen Spannung.“

Polen war erst kürzlich wegen seiner Vasallentreue zu Washington in die Kritik geraten – der Europäische Menschenrechtsgerichtshof verurteilte das Land zur Zahlung einer Entschädigung an zwei Folteropfer, die in geheimen Lagern des US-Geheimdienstes CIA in Polen mißhandelt worden waren.

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