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Asylkrise

Niedersachsen vermeldet 700 verschwundene Asylbewerber

Sonntag, 25 Oktober 2015 23:04 geschrieben von  Susanne Hagel
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Hannover - Wie eine Umfrage der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ ergab, sind in den zwanzig Landkreisen und kreisfreien Städten von Niedersachsen allein in den letzten Tagen rund siebenhundert Asylanten aus ihren Unterkünften verschwunden, von denen niemand weiß, wo sie sich nun aufhalten.

So vermeldet etwa das Emsland 235 verschwundene Asylanten, in Cloppenburg verschwanden etwa einhundert Antragsteller und in der Wesermarsch und der Grafschaft Bentheim jeweils etwa siebzig Personen. Insgesamt vermeldeten die Kommunen siebenhundert Verschwundene bis Donnerstag. Die Verwaltungen gehen davon aus, dass diese Asylanten zu Verwandten, die sich ebenfalls in Deutschland aufhalten, weitergereist seien. Es seien auch Fälle beobachtet worden, wo Antragsteller von Angehörigen abgeholt worden seien oder direkt Zugfahrkarten vorgezeigt hätten und weitergereist seien.

Der Großteil der Verschwundenen sei unregistriert und habe demnach auch noch keinen Asylantrag gestellt. Wie Timo Frers, der Sprecher der Stadt Delmenhorst erklärte, hätten die Kommunen keine Möglichkeiten, eine Weiterreise zu verhindern. Die Asylanten seien ja keine Gefangenen.

Die innenpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion Niedersachsen, Angelika Jahns, erklärte, die aktuelle Situation sei „nicht akzeptabel“. „Wir müssen wissen, wer sich in Niedersachsen aufhält“, kritisierte die CDU-Politikerin. Die Ankommenden müssten direkt nachdem sie Niedersachsen erreichen, behördlich registriert werden. Nicht nur im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge müsse man einen Zahn zulegen, sondern „vor allem in der landeseigenen Verwaltung“, denn die Registrierung sei die Voraussetzung, um einen Asylantrag stellen zu können. Derzeit seien jedoch Tausende Asylbewerber in Niedersachsen unregistriert.

Deshalb haben einige Kommunen bereits begonnen, die Menschen selbst zu registrieren, statt auf die versprochenen Mitarbeiter der Landesregierung zu warten. Durch die ständigen Ab- und Zugänge entstehe „ein immenser Arbeitsaufwand , der durch eine bessere Organisation des gesamten Unterbringungsablaufs verhindert werden könnte“, moniert Frank Beumker, Sprecher des Kreises Cloppenburg.

Seit einer Woche werden Asylbewerber direkt von der bayerischen Grenze meist per Bahn direkt auf die niedersächsischen Kommunen verteilt ohne dabei behördlich registriert zu werden – die Voraussetzung für einen Asylantrag. Aufgrund der völlig überfüllten Erstaufnahmeeinrichtungen im Land wurden etwa 4.000 Asylanten in Notunterkünften der Kommunen, meist Turnhallen, untergebracht. Täglich erreichen weitere eintausend Asylanten das Bundesland.

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