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Distanzierung und unverhohlene Freude

Paris: Die Reaktionen der Muslime in Deutschland

Sonntag, 11 Januar 2015 22:02 geschrieben von  Johann W. Petersen
Logo des Münchner Forum für Islam Logo des Münchner Forum für Islam Quelle: islam-muenchen.de

München - Nach den Attentaten von Paris haben sich Vertreter führender muslimischer Verbände in Deutschland von dem islamistischen Terror distanziert. Nach Auffassung des Münchner Forums für Islam war der Anschlag die „schwerste Form der Gotteslästerung“. Der Prophet Mohammed würde „solche barbarischen Akte (…) schärfstens verurteilen“, so der Penzberger Imam Benjamin Idriz. Meinungsfreiheit sei ebenso zu schützen wie Religionsfreiheit. Die Täter „gehören nicht zu Europa und sie gehören nicht zum Islam“, unterstrich Idriz.

Der Vorsitzende des türkisch-deutschen Kulturvereins in Regensburg, Aykan Inan, nannte das Attentat von Paris einen Angriff auf die „gemeinsamen europäischen Werte“. Er wünsche sich mehr Unterstützung für die Arbeit der türkisch-islamischen Gemeinden in Bayern. „Durch eine höhere Partizipation der Migranten in Deutschland hoffen wir, dass weniger Menschen radikalisiert werden“, so Inan gegenüber dem „Bayerischen Rundfunk“.

Auch der Zentralrat der Muslime in Deutschland verurteilte die Anschläge aufs Schärfste. „Es gibt in keiner Religion und keiner Weltanschauung auch nur einen Bruchteil einer Rechtfertigung für solche Taten“, hieß es in einer Stellungnahme des Verbandes. Durch die Attentate sei der Glaube verraten und muslimischen Prinzipien in den Dreck gezogen worden. In keiner Religion gebe es eine Rechtfertigung für solche Taten, erklärte der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek. „Heute wurde nicht unser Prophet gerächt, sondern unser Glaube verraten und unsere muslimischen Werte in den tiefsten Dreck gezogen.“

Die von Ankara aus gesteuerte Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) sprach von einem Angriff auf die Menschheit. „Dies ist niederträchtig und absolut inakzeptabel“, so der Kölner Dachverband der Ditib. Der Schöpfer gebiete die Achtung seiner vielfältigen Schöpfung. Die Unverletzlichkeit des Menschen, seiner Würde und seiner Integrität sei darin zentral.

Bei islamischen Fundamentalisten stießen die Taten allerdings vereinzelt auch auf Beifall. Bei Twitter wurden die Attentäter teilweise als Helden gefeiert. „Möge Allah unsere französischen Brüder belohnen“, so ein Nutzer mit dem Namen „Abu Dujana“. Außerdem kursierte bei YouTube zweitweise auch ein Film, in dem Bilder von der Bluttat mit religiösen Sprechgesängen unterlegt waren. Dschihadisten benutzen diese Art von Musik üblicherweise für ihre Terrorvideos. Andere verbreiteten Verschwörungstheorien wie „Das war der israelische Mossad“.

Eine sehr eigenwillige Botschaft verbreitete hingegen der bekannte Salafisten-Prediger Pierre Vogel über die sozialen Netzwerke. Weit davon entfernt, sich von den Terrorakten in Paris zu distanzieren, rief er seine Anhänger lediglich dazu auf, die Taten nicht zu „imitieren“. Seine Glaubensbrüder sollten sich nun ruhig verhalten und „sich nicht provozieren zu lassen“. Ansonsten seien angeblich Pogrome gegen Muslime zu befürchten. „Man möchte uns hier ins offene Messer laufen lassen“, so Vogel, der sich, schaut man seine Facebook-Seite an, noch nicht ganz darüber im Klaren zu sein scheint, ob er den Überfall auf die „Charlie Hebdo“-Redaktion als Tat von Gesinnungsfreunden oder „false flag“-Operation werten soll. Als historisches Beispiel führte Vogel das Attentat von Herschel Grynszpan auf den deutschen Diplomaten Ernst Eduard vom Rath in Paris 1938 an, das der sogenannten „Reichskristallnacht“ vorausging.

 

Die Videobotschaft von Pierre Vogel: www.facebook.com/video.php?v=802852573127811&set=vb.156282771118131&type=3&theater

Letzte Änderung am Sonntag, 11 Januar 2015 22:07
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