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Statistisches Bundesamt

Pflegeversicherung genügt nicht im Pflegefall

Dienstag, 12 Januar 2016 23:32 geschrieben von  Susanne Hagel
Statistisches Bundesamt Statistisches Bundesamt Quelle: destatis.de

Berlin - Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, sind in Deutschland immer mehr Pflegebedürftige auf zusätzliche Sozialleistungen angewiesen, weil die Pflegeversicherung allein nicht ausreicht, um ihre Kosten zu decken.

So stieg die Zahl der Empfänger zusätzlicher Leistungen innerhalb der letzten zehn Jahre von 340.000 auf 453.000 Bedürftige an. Den Angaben zufolge waren 2014 292.000 Frauen und 161.000 Männer betroffen. 321.000 der Pflegebedürftigen mit zusätzlichen Sozialleistungen lebten im Pflegeheim. Zudem stiegen auch die Ausgaben für die Hilfe zur Pflege, also der Sozialleistung, die den Bedarf auffangen soll, der nicht durch die Pflegeversicherung abgedeckt wird und nicht von den Betroffenen selbst aufgebracht werden kann. Hier war ein Anstieg von 2,6 Milliarden Euro auf 3,5 Milliarden Euro zu verzeichnen.

In den vergangenen Jahren war die Zahl der Pflegebedürftigen weiter gestiegen: So bezogen 2005 noch 1,95 Millionen Menschen entsprechende Leistungen aus ihrer Pflegeversicherung und im Jahr 2014 bereits rund 2,6 Millionen Personen. 750.000 Alte davon waren in Heimen untergebracht. Für die kommenden Jahre wird mit einem weiteren Anstieg gerechnet. Gemäß dieser Tendenz dürfte auch der Eigenanteil, den die Pflegebedürftigen zuzahlen müssen, deutlich steigen.

Auch der Pflegereport des wissenschaftlichen Instituts GeWiNo der AOK Nordost bestätigt, dass die Zahl der Pflegebedürftigen stark zunimmt. Wie die Altersforscherin Adelheid Kuhlmey von der Uniklinik Charité Berlin erklärt, leben Menschen heutzutage zudem deutlich länger mit ihrer Pflegebedürftigkeit als noch vor fünf Jahren. Sie sei deshalb überzeugt, „dass es in Zukunft immer mehr darauf ankommen wird, für eine bessere Lebensqualität derer zu sorgen, die bereits pflegebedürftig sind“.

Die Fraktionschefin der Linken, Sabine Zimmermann, erklärte, es sei „überhaupt nicht akzeptabel“, dass immer mehr Pflegebedürftige zusätzliche Sozialleistungen beantragen müssten. „Die vermehrte Inanspruchnahme der Sozialhilfe zur Finanzierung von Pflegeleistungen verdeutlicht, dass die Pflegeversicherung als Teilkostenprinzip in immer mehr Fällen nicht funktioniert, da die Betroffenen und ihre Familien das Geld nicht aufbringen können.“

In Zukunft werde die Zahl der einkommensschwachen Älteren stark zu nehmen, warnte sie. Dies werde sich auch bei den Pflegebedürftigen niederschlagen. Deshalb sei es nötig, dass sich die Leistungen der Pflegeversicherung am individuellen Bedarf des Patienten orientierten. „Pflege darf nicht vom Geldbeutel abhängig sein“, so Zimmermann.

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