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„Das Volk sollte wissen, dass es manipuliert wird“

Polizeigewerkschaften kritisieren manipulierte Verbrechensstatistiken

Dienstag, 03 Februar 2015 04:18 geschrieben von 

Berlin - Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) und der Bund Deutscher Kriminalbeamter (DBK) üben scharfe Kritik an der Art, wie in Deutschland Straftaten und Täter erfasst werden. Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) beschönige die Zahlen derart, dass kein reelles Bild der kriminellen Bedrohung gezeichnet werden könne.

Wie Erich Rettinghaus, der Landesvorsitzende der DpolG und dessen Kollege vom DBK, Wilfried Albishausen, erklärten, würde in der Polizeilichen Kriminialstatistik die Zahl der Straftaten drastisch herunter gerechnet – und zwar in allen Bundesländern.

Ein Mittel zur Beschönigung sei etwa das Prinzip „ein Täter ist gleich ein Fall“, nach dem ein Straftäter eben nur ein einziges Mal in der Statistik auftaucht, unabhängig davon, wie viele Straftaten er begangen hat. Vor allem im Onlinebereich müsse man die Zahl der Straftaten also locker mit Tausend multiplizieren, um ein reelles Bild über die Zahl der verübten Delikte zu erhalten. Auch Straftaten, die aus dem Ausland begangen worden, was bei der Internetkriminalität ebenfalls häufig der Fall ist, werden erst gar nicht aufgeführt. 

Weiterhin werden nur Straftaten aufgeführt, die der Polizei in gut dokumentierter Form bekannt sind. Dabei schätzen Experten, die Zahl der zusätzlich begangenen Straftaten wesentlich höher ein. So ergab die Studie des Kriminologen Karlhans Liebl, der in einer repräsentativem Umfrage ermittelte, wie viele Sachsen Opfer von Straftaten geworden sind, dass die PKS nur einen winzigen Bruchteil der tatsächlichen Kriminalität widerspiegele. Viele Opfer verzichteten jedoch auf eine Anzeige: teils aus Angst, teils aus Scham, teilweise waren sie auch nicht vom Nutzen der Anzeige überzeugt. Für das Land Nordrhein-Westfalen bedeutet dies etwa, dass die Zahl der tatsächlichen Körperverletzungen ganze 71 Mal höher liegt als dies von offizieller Seite veröffentlicht. Die Zahl der leichten Körperverletzungen läge demnach sogar 89 Mal höher über dem gemeldeten Wert.

Ein weiterer Bereich, der deutlich verwischt wird, seien den Angaben zufolge deutschfeindliche Straftaten. Weder werde ein solches Motiv untersucht, noch erfasst. So können die Innenministerien auch weiterhin behaupten, deutschfeindliche Straftaten seien ein so seltenes Phänomen, dass sie nicht einmal in der Statistik auftauchen - können sie ja auch nicht: es gibt noch nicht einmal Kriterien für die Erfassung einer solchen Tat.

Ein ähnlich heißes Eisen, von dem die Innenminister lieber die Finger lassen, ist offenbar der Zuwanderungshintergrund von Straftätern. Nachdem in Berlin festgestellt worden war, dass ganze 81 Prozent der Intensivtäter einen zumeist türkischen oder arabischen Migrationshintergrund haben, verhinderten SPD und Grüne in NRW, dass die Kriminalstatistik den Einwanderungshintergrund erfasst. Ganz nach dem Motto: Was nicht geschrieben steht, existiert nicht. „Was wissen die Bürger über die wahren Ausmaße der kriminellen Bedrohung?“, fragt angesichts dieser Erkenntnisse über die verfälschte Statistik der CDU-Rechts- und Innenpolitiker Peter Biesenbach.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung fand durch eine Umfrage im Jahr 2004 heraus, dass bereits über fünfzig Prozent aller 12- bis 25-Jährigen Drogen angeboten bekommen hatten, etwa jeder Dritte hatte schon Erfahrungen mit Drogenkonsum gemacht. Doch weil Drogenhandel unter die Rubrik „opferlose Kriminalität“ fällt, taucht dieser gar nicht erst in der PKS auf.

Nur die Bereiche in denen auch ermittelt werden, existieren in der Statistik: Verstärkt die Politik etwa ihre Anstrengungen im Kampf gegen Drogen, rechte oder linke Gruppierungen, Rockerbanden, etc. wird diesbezüglich natürlich auch mehr ermittelt. Wo ermittelt wird, werden Zahlen für die PKS produziert, die die Sinnhaftigkeit der politischen Entscheidung zu belegen scheinen. Streichen die Regierenden hingegen die Finanzmittel für bestimmte Bereiche, entfällt zunehmend die Ermittlerarbeit und weniger Zahlen tauchen in der PKS auf – ein scheinbarer Rückgang der Fälle und eine Bestätigung der politischen Entscheidung, die gar keine ist.

Der BDK-Vorsitzende bringt die Regierungsfreundlichkeit der PKS auf den bitteren Punkt: „Dass die Bevölkerung manipuliert wird, ändert sich vielleicht nie. Aber wenigstens sollen sie darum wissen.“

Letzte Änderung am Donnerstag, 05 Februar 2015 04:26
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