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Neue Studie zur nationalen Identität

Positives Selbstbild, Skepsis gegenüber Muslimen

Samstag, 06 Dezember 2014 02:43 geschrieben von  Johann W. Petersen
Neue Studie zur nationalen Identität Neue Studie zur nationalen Identität

Berlin - Das Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) an der Humboldt-Universität hat in einer neuen Studie festgestellt, dass die Deutschen überwiegend ein positives Selbstbild haben und sich stark mit ihrem Land identifizieren. Die NS-Vergangenheit wird hingegen kaum noch als Belastung wahrgenommen. Gleichzeitig verdeutlicht die Untersuchung, dass weiterhin starke Vorbehalte gegenüber Muslimen bestehen.

Nur noch 16 Prozent der für die Studie „Deutschland postmigrantisch“ Befragten nannten den Nationalsozialismus und nur noch 0,5 Prozent den Holocaust als prägende Ereignisse für ihr Selbstbild. Die stellvertretende Direktorin des BIM, die deutsch-iranische Sozialwissenschaftlerin Naika Foroutan, schließt daraus, dass die Ansicht, die NS-Vergangenheit lasse bis heute keine positive Selbstidentifikation der Deutschen mit ihrer Nation zu, nur ein „Mythos“ sei. Weniger positiv sei die Selbstwahrnehmung lediglich bei Anhängern der Grünen und der Linkspartei ausgeprägt. Selbst bei deutschen Staatsbürgern mit Migrationshintergrund sei eine zunehmende Identifikation mit Deutschland festzustellen. So gaben 77 Prozent dieser Gruppe an, sie fühlten sich als Deutsche.

Dennoch haben die Deutschen nach der Studie des BIM weiterhin eine feste Vorstellung davon, was das Deutschsein ausmacht: 97 Prozent halten es für wichtig, Deutsch sprechen zu können, 79 Prozent gaben die deutsche Staatsangehörigkeit als Kriterium an, 37 Prozent finden weiterhin, dass deutsche Vorfahren wichtig sind. Mehr als 40 Prozent sind der Meinung, dass man akzentfrei Deutsch sprechen können müsse, um als Deutscher zu gelten.

Gegenüber Muslimen und dem Islam herrscht nach wie vor große Skepsis. So meinen 38 Prozent der Befragten, dass eine Frau mit Kopftuch nicht deutsch sein könne. Mehr als ein Viertel ist zudem der Meinung, Muslime seien aggressiver als sie selbst, etwa ein Drittel glaubt nicht, dass Muslime genauso bildungsorientiert sind wie ihre eigene Gruppe. Zwar würden 69 Prozent der Bevölkerung nach den Zahlen des BIM muslimischen Religionsunterricht befürworten, zugleich sind aber 60 Prozent für ein Verbot der rituellen Beschneidung, fast die Hälfte spricht sich dagegen aus, dass Lehrerinnen beim Unterricht ein Kopftuch tragen dürfen, und 42 Prozent sind für die Einschränkung des Moscheebaus. Den Umstand, dass Muslime und Elemente der islamischen Kultur vor allem bei jenen Deutschen, denen die nationale Identität besonders am Herzen liegt, skeptisch gesehen werden, werten die Wissenschaftler des BIM als „Einfallstor für rechtspopulistische Parteien“.

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