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Krieg mit Russland? - Nicht in unserem Namen

Prominente warnen vor Kriegstreiberei gegen Russland

Montag, 08 Dezember 2014 16:11 geschrieben von  Susanne Hagel
Wladimir Putin kann nach wie vor Freunde Russlands in Deutschland zählen Wladimir Putin kann nach wie vor Freunde Russlands in Deutschland zählen Bild: the Presidential Press and Information Office

Magdeburg - Mehr als sechzig bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien rufen dazu auf, keinen Krieg mit Russland zu provozieren.

"Uns geht es um ein politisches Signal, dass die berechtigte Kritik an der russischen Ukrainepolitik nicht dazu führt, dass die Fortschritte, die wir in den vergangenen 25 Jahren in den Beziehungen mit Russland erreicht haben, aufgekündigt werden", erklärt der frühere Kanzlerberater Horst Teltschik (CDU). Gemeinsam mit dem ehemaligen Verteidigungsstaatssekretär Walther Stützle (SPD) und der früheren Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer (Grüne) startete Teltschik einen Aufruf. Die drei Politiker und einundsechzig weitere Persönlichkeiten fordern die Bundesregierung, die Abgeordneten und die deutschen Medien dazu auf, unter keinen Umständen einen Krieg mit Russland zu provozieren. Denn dies bedeutet Krieg in Europa. Wenn Nordamerika, die Europäische Union und Russland sich nicht aus der unheilvollen Spirale aus Drohung und Gegendrohung befreien, treiben sie unaufhaltsam auf einen solchen zu. Dabei tragen alle Europäer, Russland eingeschlossen, gemeinsam die Verantwortung für Frieden und Sicherheit. "Wir, die Unterzeichner, appellieren an die Bundesregierung, ihrer Verantwortung für den Frieden in Europa gerecht zu werden. Wir brauchen eine neue Entspannungspolitik für Europa. Das geht nur auf der Grundlage gleicher Sicherheit für alle und mit gleichberechtigten, gegenseitig geachteten Partnern. Die deutsche Regierung geht keinen Sonderweg, wenn sie in dieser verfahrenen Situation auch weiterhin zur Besonnenheit und zum Dialog mit Russland aufruft. Das Sicherheitsbedürfnis der Russen ist so legitim und ausgeprägt wie das der Deutschen, der Polen, der Balten und der Ukrainer", so der Appell. "Wir dürfen Russland nicht aus Europa hinausdrängen. Das wäre unhistorisch, unvernünftig und gefährlich für den Frieden." "Einbinden statt ausschließen" müsse Leitmotiv deutscher Politiker sein.  Wer nur Feindbilder aufbaue und mit einseitigen Schuldzuweisungen hantiere, verschärft die Spannungen in einer Zeit, in der die Signale auf Entspannung stehen müssten.

Weiterhin appellieren die Unterzeichner an die Medien, ihrer Pflicht zur "vorurteilsfreien Berichterstattung überzeugender nachzukommen als bisher". Aktuelle Artikel "dämonisieren ganze Völker, ohne deren Geschichte ausreichend zu würdigen", heißt es. "Es geht nicht um Putin. Staatenlenker kommen und gehen. Es geht um Europa. Es geht darum, den Menschen wieder die Angst vor Krieg zu nehmen. Dazu kann eine verantwortungsvolle, auf soliden Recherchen basierende Berichterstattung eine Menge beitragen."

Die Liste der Unterzeichner ist lang und hat Gewicht, denn unter den Unterzeichnern finden sich neben  Roman Herzog, dem Alt-Bundespräsident der CDU, Hans-Jochen Vogel, ehemaliger Bundesminister der Justiz aus der SPD, Luitpold Prinz von Bayern, der Urenkel des letzten bayerischen Königs, der Astronaut Sigmund Jähn, oder der Altkanzler Gerhard Schröder (SPD). Außerdem Schauspieler wie Mario Adorf und Klaus Maria Brandauer, Philipp von Schulthess , Kabarettist Georg Schramm, Schriftsteller Christoph Hein, Regisseur Wim Wenders, Liedermacher Reinhard Mey, Theologen wie Benediktiner-Pater Anselm Grün, Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann, ehemalige EKD Ratsvorsitzende und Bischöfin,  Ruth Misselwitz, evangelische Pfarrerin Pankow, Prof. Dr. Konrad Raiser, ehemals Generalsekretär des Ökumenischen Weltrates der Kirchen, Dr. h.c. Friedrich Schorlemmer, evangelischer Theologe und Bürgerrechtler, Verteidigungsexperten wie Walther Stützle oder Horst Teltschik, vormals Verteidigungsstaatssekretär und der ehemalige Sicherheitsberater von Helmut Kohl. Auch Otto Schily, ehemals Minister für Recht und Ordnung von der SPD, Erhard Eppler, der frühere SPD-Entwicklungshilfeminister, Antje Vollmer, frühere Vizepräsidentin des Bundestags von den Grünen und Burkhard Hirsch, der frühere Vizepräsident des Bundestags von der FDP, unterzeichneten.

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