www.derfflinger.de

Freigegeben in Politik

Endlagersuche für Deutschlands Atommüll

Rückbau von Atomkraftanlagen verursacht mehr radioaktiven Müll als gedacht

Mittwoch, 19 November 2014 08:27 geschrieben von  Susanne Hagel
Kühlturm eines Atomkraftwerks Kühlturm eines Atomkraftwerks

Berlin - Wie aus dem Entwurf des "nationalen Entsorgungsplans", den der Bund derzeit mit den Ländern abstimmt, hervorgeht, muss Deutschland deutlich mehr radioaktiven Müll entsorgen als bisher angenommen.

So heißt es im Bericht, man müsse mit einer Verdopplung des schwach- und mittelradioaktiven Abfalls rechnen. Dieser Müll soll in Salzgitter im derzeit im Bau befindlichen Endlager Schacht Konrad deponiert werden. Während man bisher von einer Abfallmenge in Höhe von  298.000 Kubikmetern Atommüll ausging, der vorrangig aus dem Abbau alter Atomkraftwerke stamme, korrigiert die Regierung die Menge nun nach oben: man gehe "von einer Gesamtmenge der zu entsorgenden Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung von rund 600.000 Kubikmetern" aus, so der Bericht.

Man habe schonungslos abgerechnet, erklärt das Bundesumweltministerium - aus "Gründen der Vorsorge" sei dieser Schritt nötig gewesen. Erstmals werden nun auch Abfälle aus der Urananreicherungsanlage von Urenco  in Gronau als Atommüll aufgeführt. Bisher werden dort rund 13.000 Tonnen übriggebliebene Urantails gelagert, die in keiner Bilanz auftauchten, weil sie als Wertstoffe zur Herstellung von Kernbrennstoffen galten. Allein aus der Urananreicherung würden künftig bis zu 100.000 Kubikmetern Atommüll anfallen. Nach der Schließung des überalterten Salzbergwerk Asse II bei Wolfenbüttel werden weitere 200.000 Kubikmeter radioaktiver Müll anfallen. Dann müssen die 126.000 Fässer, die bisher dort eingelagert sind, geborgen und neu verpackt werden um neuerlich in ein Endlager verbracht zu werden. Wo dieses Endlager sein soll, ist jedoch noch ungeklärt.

Man wolle zwei Endlager schaffen, so der Entsorgungsplan. Während Schacht Konrad für wenig Wärme entwickelnde Abfälle geplant sei, sucht eine Bund-Länder-Kommission derzeit einen geeigneten Ort für ein Endlager für "heißen", in Castoren gelagerten Atommüll. Diesen Ort wolle man bis 2031 gefunden haben. Bis zu 291 Castor-Behälter sollen dort dann endgelagert werden.

Die Atompolitikerin der Grünen, Sylvia Kotting-Uhl, lobte die "ehrliche Einbeziehung" der Uranabfälle als "sehr positiv". Die Anreicherung in Gronau müsse ganz beendet werden.

Unterdessen sorgt eine Meldung aus Karlsruhe für Besorgnis: rund 1.700 der auf dem Campus Nord des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) in der Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen oberirdisch gelagerten Atommüllfässer sei defekt. Wie ein Sprecher der zuständigen Firma WAK GmbH erklärte, seien 1692 Fässern vor allem durch Rost beschädigt. Es handele sich um weniger als zehn Prozent aller zwischengelagerten Atommüllfässer. "Bei Beginn der Lagerung hatten wir nicht erwartet,  dass die Zeit der Zwischenlagerung bis zum Transport in ein Endlager so lange dauern wird", so der Sprecher.

Letzte Änderung am Mittwoch, 19 November 2014 08:31
Artikel bewerten
(3 Stimmen)