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Asylkrise und Gewalt

Rainer Wendt wirft Politik Verharmlosung der Probleme vor

Donnerstag, 08 Oktober 2015 18:12 geschrieben von  Torsten Müller
Rainer Wendt Rainer Wendt Quelle: de.wikipedia.org | Hobbes1500 | CC BY-SA 3.0

Berlin - Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) scheint immer weniger Herr der Lage zu sein. Hat er sich über Monate hinweg geweigert, zur Kenntnis zu nehmen, dass seine Prognose von 450.000 Asylbewerbern längst nicht mehr der Realität entspricht, versucht er nun Fälle von Gewalt in Asylbewerberheimen zu verniedlichen. Man dürfe Asylbewerber nicht unter Generalverdacht stellen. Es gebe in dem Feld „unglaublich viele Gerüchte“, die sich massiv über soziale Netzwerke verbreiteten. Die Landesbehörden gingen diesen entschlossen nach: „Sehr oft sind die Gerüchte nicht wahr“, sagte de Maizière.

Auch zahlreiche angezeigte sexuelle Übergriffe sollen nicht stattgefunden haben. Dazu sagte die Sprecherin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Hessen: „Wir haben zahlreiche glaubhafte Berichte über sexualisierte Gewalt und Übergriffe.“

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt kritisierte nun die Politik, Berichte über Gewalt und sexuelle Übergriffe in Asylbewerberunterkünften zu verharmlosen. Wendt dazu wörtlich: „Mein Eindruck ist, dass insbesondere in den Ländern viel verharmlost wird.“ Die Lageberichte der Polizei sprächen eine eindeutige Sprache. Es sei zwar nachvollziehbar, dass die Politik versuche, die Lage zu beruhigen. „Aber da ist schon viel Verniedlichung dabei“, monierte Wendt.

Es habe laut Wendt nichts mit Gerüchten zu tun, wenn die Polizei eingreifen muss, weil Syrer und Afghanen sich Schlägereien liefern. Wendt dazu weiter: „Die Innenminister wären gut beraten, mal ihre eigenen Lageberichte zu lesen.“ Es sei zynisch, bei sexuellen Übergriffen auf Frauen von Einzelfällen zu sprechen. Auch in anderen Zusammenhängen sei es normal, dass sich bei derartigen Delikten eine hohe Dunkelziffer ergebe. Wendt könne sich nicht vorstellen, „dass verantwortungsbewusste Frauenverbände wie etwa in Hessen, sich das einfach aus den Fingern saugen“.

Auch die Gewalt gegenüber Sicherheitsleuten in Asylbewerberheimen hat massiv zugenommen. Dazu sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Sicherheitswirtschaft (BDSW), Harald Olschok: „Die Zahl der sogenannten Konfrontationsunfälle von Sicherheitsleuten in Flüchtlingsunterkünften hat in den ersten sieben Monaten dieses Jahres im Vergleich zum gesamten Vorjahr um 70 Prozent zugenommen. Ein besonders hohes Konfliktpotential ergibt sich bei enger Belegung mit vor allem jungen Männern aus unterschiedlichen Herkunftsländern und unterschiedlicher Religionszugehörigkeit.“

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