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"Weltwoche“-Chef geht in die Politik

Roger Köppel will für die SVP ins Parlament einziehen

Mittwoch, 04 März 2015 14:27 geschrieben von  Enno-Martin Cramer
Roger Köppel, Journalist und Chefredakteur der "Weltwoche" in Zürich Roger Köppel, Journalist und Chefredakteur der "Weltwoche" in Zürich Quelle: de.wikipedia.org | Foto: Jürg Vollmer / maiak.info | CC BY-SA 3.0

Zürich - Der Verleger und Chefredakteur der Schweizer „Weltwoche“, Roger Köppel (Jahrgang 1965), ist in die Schweizerische Volkspartei (SVP) eingetreten und will für den Zürcher Verband der nationalkonservativen Partei zu den nächsten Parlamentswahlen antreten. Obwohl sich Köppel in der Vergangenheit oft positiv zu verschiedenen Initiativen der SVP geäußert hat, gilt sein angestrebter Wechsel in die Politik als große Überraschung.

Entsprechend euphorisch feierte die Zürcher SVP ihren Coup: Mit Köppel stelle sich der profilierteste Journalist des Landes für eine Wahl ins Bundesparlament zur Verfügung. Als „Weltwoche“-Chef habe er sich dem linken Mainstream widersetzt und damit weit über die Grenzen der Schweiz hinaus große Beachtung gefunden.

Tatsächlich ist Köppel auch in Deutschland kein Unbekannter: Der 1965 in Zürich geborene Harvard-Absolvent leitete zweieinhalb Jahre lang die Chefredaktion der Tageszeitung „Die Welt“ und trat in Talkshows mehrfach als überzeugter Vertreter der Interessen der Schweiz in Erscheinung. Großes Aufsehen erregte im April 2012 auch hierzulande eine unter seiner Ägide entstandene Titelseite der „Weltwoche“, die ein Roma-Kind mit einer auf den Betrachter gerichteten Pistole und der Schlagzeile „Die Roma kommen: Raubzüge in der Schweiz“ zeigte. Das Bild verwies auf eine Reportage im Innenteil mit dem Titel „Sie kommen, klauen und gehen“, die sich mit der Kriminalität von Armutsmigranten aus Südosteuropa beschäftigte. Strafanzeige dagegen erstattete unter anderem der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma. Alle Verfahren wurden später eingestellt.

Als Grund für sein SVP-Engagement nannte Köppel, der früher dem liberalen Freisinn nahestand, die „verheerende und mich alarmierende Politik der linken Mehrheit in Bundesrat und Parlament“. Es ziehe ihn nun „ins Getümmel hinein, dorthin, wo die Politik bestimmt und umgesetzt wird“. In einem Interview mit dem Magazin der Schweizer Kommunikationswirtschaft konkretisierte er sein Anliegen mit den Worten: „Für mich steht die Botschaft im Vordergrund: Die linke Mehrheit in Bundesrat und Parlament untergräbt die Fundamente der Schweiz. Die Unabhängigkeit gegenüber der EU wird torpediert. Die Schweiz soll europäischen Richtern unterstellt werden. Der Bundesrat weigert sich, Volksentscheide umzusetzen. Internationales Recht soll pauschal über der Bundesverfassung stehen. Der Zentralismus breitet sich aus. Die Neutralität wird nicht mehr ernst genommen. Das ist brandgefährlich. Ich möchte die bürgerliche Seite, die für Unabhängigkeit und Selbstbestimmung ist, stärken. Man muss auch aufhören, die SVP auszugrenzen. Durch meinen Schritt hoffe ich, eine gewisse Entkrampfung, eine Rückkehr zur Sache, zur Schweiz zu bewirken.“

Während sich zahlreiche Medien in der Schweiz ablehnend bis spöttisch über Köppels politische Ambitionen äußerten, verteidigte sein früherer Kollege, der stellvertretende Chefredakteur der „Welt“-Gruppe Ulf Poschardt, das Ansinnen. Poschardt wörtlich: „Ewäre ihm, aber auch der Politik zu wünschen, dass dieses Experiment gelingt. Warum? Nicht, weil die SVP eine besonders großartige Partei wäre oder die Fußstapfen von Christoph Blocher besonders verlockend zur Nachfolge. Nein, es wäre spannend zu sehen, ob Intellektualität den politischen Alltag bereichern, poetisieren kann oder Köppel mit seiner wüsten, anarchischen Wissensgier an der Berner Politikroutine zerschellt.“ Köppel sehe sich „in der Tradition des ‚Milizprinzips‘“ in der Pflicht, „neben dem Job als Unternehmer und Journalist auch als Parlamentarier Verantwortung zu übernehmen“. Der aufkommende Hohn beschränke „sich ausschließlich auf das vermeintlich falsche Glaubensbekenntnis“, das Köppel abgelegt habe, so der stellvertretende „Welt“-Chefredakteur.

Eine Bereicherung für die schweizerische Politik wäre eine (erfolgreiche) Kandidatur Roger Köppels allemal, zeichnet er sich doch wie kaum ein anderer Journalist im deutschsprachigen Raum durch Esprit, messerscharfe Analysen und Mut zu Meinungen aus, die den ungeschriebenen Gesetzen der „political correctness“ zuwiderlaufen. Mit der nationalkonservativen SVP hat sich der „Weltwoche“-Chef eine ideale Plattform zum Transport seiner gehaltvollen politischen Botschaften ausgesucht.

Letzte Änderung am Mittwoch, 04 März 2015 17:27
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