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Russische Kredite für Athen?

Russisch-griechische Zusammenarbeit würde beiden Seiten nützen

Montag, 02 Februar 2015 00:23 geschrieben von 
Alexis Tsipras Alexis Tsipras Quelle: de.wikipedia.org | Foto: FrangiscoDer | CC BY-SA 3.0

Magdeburg - Während die Europäische Union über weitere Wirtschaftssanktionen gegenüber Russland nachdenkt, hat sich die neue griechische Regierung unter ihrem Ministerpräsidenten Alexis Tsipras offenbar für einen anderen Weg entschieden. Sie kritisierte, dass die EU sie nicht gefragt habe und erklärte postwendend, dass sie diese Entscheidung nicht mitgetragen hätte.

Russland hat nun signalisiert, dass es Griechenland Kredite auch ohne Reformauflagen gewähren würde. Der griechische Finanzminister stellte sogleich klar, dass man ein solches Angebot „definitiv prüfen“ wolle.

Schaut man sich an, wie sehr die Interessen Griechenlands und Russlands miteinander verwoben sind, wird deutlich, wie sinnvoll eine Kooperation beider Staaten wäre. Einerseits würde Griechenland mit der russischen Kredithilfe aus der Abhängigkeit von der EU heraustreten. Schon seit Jahren weist Griechenland intensive wirtschaftliche Beziehungen zu Russland auf. Daher ist es auch besonders hart von den Kreml-Sanktionen getroffen worden. Etwa ein Viertel der griechischen Obst- und Gemüseproduktion wird nach Russland exportiert. Russland gehört auch zu den besten Kunden der Pharmaindustrie Griechenlands.

Über eine Million Russen machen jedes Jahr Urlaub in Griechenland. Experten gehen davon aus, dass der aktuelle Wirtschaftskrieg der EU gegen Russland der griechischen Wirtschaft etwa vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts kostet. Im Jahr 2013 exportierte die griechische Wirtschaft Waren im Wert von mehr als 400 Millionen Euro nach Russland.

Auch Russland hat großes Interesse an einer engen Kooperation mit Griechenland. Andreas Steininger vom Ostinstitut in Wismar sagte dazu: „Russland wird versuchen, innerhalb der EU Einfluss auszuüben. Ein guter Ansatzpunkt hierfür sind vor allem die europakritischen Kräfte in Südeuropa und Frankreich.“ Steininger geht davon aus, dass Russland in der Lage ist, Griechenland zumindest kurzfristig zu helfen: „Für einen großzügigen Kredit an die griechische Regierung wäre auf jeden Fall genug Geld da.“

Russland könnte Griechenland als „Energiebrücke“ nach Europa nutzen. Schon jetzt bezieht Griechenland 60 Prozent seiner Gasimporte aus Russland. Da die South-Stream-Pipeline scheiterte, könnte Russland den Versuch unternehmen, statt über Bulgarien sein Gas über die Türkei nach Griechenland zu leiten.  

Die einseitige Eskalationspolitik der EU könnte sich als Bumerang erweisen, wenn dadurch Partnerschaften für Russland entstehen, die der EU politischen und wirtschaftlichen Einfluss rauben. 

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