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Mit US-Söldnern gegen die eigene Bevölkerung?

Russischer Generalstabschef bestätigt Bericht der „Bild am Sonntag“

Montag, 02 Juni 2014 15:33 geschrieben von  Jens Hastreiter
Russischer Generalstabschef bestätigt Bericht der „Bild am Sonntag“ Bild: N. Frank / pixelio.de

Berlin - Nach Angaben des russischen Generalstabs sind private Militär-Dienstleister schon seit Wochen an den militärischen Auseinandersetzungen in der Ukraine beteiligt. Nur über Auftraggeber und Hintermänner herrscht noch Unklarheit.

Russlands Generalstabschef Valeri Gerassimow erklärte jetzt bei einer Sicherheitskonferenz in Moskau, es gebe Fakten, die auf eine Teilnahme privater Militärfirmen an den bewaffneten Auseinandersetzungen in der Ukraine hindeuteten. Zuvor berichteten bereits Medien von einer Beteiligung von Söldnern der Firmen Academi, früher bekannt als Blackwater, und Greystone an den bewaffneten Operationen im Osten der Ukraine. Das ukrainische Außenministerium hingegen beteuert, an den Sondereinsätzen im Osten des Landes seien keine Ausländer beteiligt.

Gerassimow dagegen beharrt darauf, die Kampftruppen extremistischer Organisationen, die derzeit am Sondereinsatz in der Ostukraine teilnehmen, hätten auch eine entscheidende Rolle bei der Machteroberung in Kiew gespielt. „Wie bei den Ereignissen des Arabischen Frühlings spielten auch in der Ukraine extremistische Organisationen eine zentrale Rolle, zu denen gut ausgebildete und ausgerüstete Kampfgruppen gehören. Heute nehmen diese Gruppen an der sogenannten Anti-Terror-Operation im Südosten der Ukraine teil“, sagte Gerassimow.

In den arabischen Ländern kämpften Regierungstruppen gegen bewaffnete Formationen der Opposition, in der Ukraine hingegen die Streitkräfte gegen das eigene unbewaffnete Volk, „das sein Misstrauen gegenüber der nichtlegitimen Macht bekundet hatte“. Zur Niederschlagung des Protests, so der Generalstabschef, seien bewaffnete Gruppierungen gebildet worden, die über Kampftechnik, Artilleriesysteme, Mehrfachraketenwerfer und Kampfflieger verfügen.

Ähnliches berichtete auch „Bild am Sonntag“. Das Blatt beruft sich dabei auf Geheimdienstinformationen. Demnach sollen 400 US-Söldner in der Ostukraine gegen die Separatisten kämpfen. Dies dementiert freilich der US-Militärdienstleister Academi: „Unverantwortliche Blogger und ein Onlinereporter" hätten „Gerüchte" verbreitet, wonach Angestellte der Firma in der Ukraine im Einsatz seien. Das sei falsch und nichts mehr als ein „sensationalistischer Versuch, eine Hysterie zu kreieren".

Laut „Bild am Sonntag" werden die ukrainischen Sicherheitskräfte von 400 Academi-Elitesoldaten unterstützt. Diese sollen Einsätze gegen prorussische Rebellen rund um die ostukrainische Stadt Slawjansk geführt haben. Demnach setzte der Bundesnachrichtendienst (BND) die Bundesregierung schon am 29. April darüber in Kenntnis. Wer die Söldner beauftragt habe, sei noch unklar.

Die Informationen sollen vom US-Geheimdienst stammen und auch während der sogenannten Nachrichtendienstlichen Lage, einer regelmäßigen Besprechung unter Leitung von Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU), vorgetragen worden sein. An diesem Treffen sollen auch die Präsidenten der Nachrichtendienste und des Bundeskriminalamts, der Geheimdienstkoordinator des Kanzleramts und hochrangige Ministeriumsbeamte teilgenommen haben.

Eine Bestätigung für den Bericht gibt es bisher nicht. Der BND habe eine Stellungnahme abgelehnt, so „Bild am Sonntag". Private Sicherheitsfirmen wie Blackwater gerieten insbesondere während des Irak-Kriegs in die Kritik. Ehemalige Blackwater-Angestellte stehen in den USA im Zusammenhang mit der Tötung von irakischen Zivilisten vor Gericht. Academi, vormals Blackwater, konnte sich seinerzeit mit einer Millionenzahlung von Ermittlungen in den USA freikaufen.

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