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"Weiterhin eigene Interessen verteidigen“

Russlands Präsident Putin schwört Auslandsdiplomaten in Moskau ein

Montag, 07 Juli 2014 12:37 geschrieben von  Jens Hastreiter
Wladimir Putin Wladimir Putin Bild: the Presidential Press and Information Office

Moskau - Die frühere US-Außenministerin und Präsidentengattin Hillary Clinton spricht Klartext. Während einer Buchvorstellung in Berlin sagte sie jetzt über den russischen Präsidenten Wladimir Putin: „Ich denke, dass er gefährlich sein kann. Ein solcher Mensch wie Putin geht immer bis an die Grenze.“

Was die prominente US-Politikerin, der Ambitionen auf das Präsidentenamt nachgesagt werden, mit der Bedrohung durch Putin gemeint haben könnte, erklärte dieser vor wenigen Tagen bei einem Routinetreffen mit russischen Botschaftern und ständigen Vertretern in Moskau selbst: Russland, so Putin, werde auch weiterhin seine eigenen Interessen, die Völkerrechtsnormen und seine Landsleute weltweit verteidigen.

Bei dem Treffen wurde auch die Formel von der „multipolaren Weltordnung“ wieder in Erinnerung gerufen, die Moskau bereits in den neunziger Jahren als Antithese zur unipolaren „Neuen Weltordnung“ der USA ins Gespräch brachte. Bei den neuen Einflusszentren, die in der internationalen Politik an Gewicht gewonnen hätten, handle es sich unter anderem um Russland und China. Da insbesondere die Europäer auf vielfältige Weise auf Russland angewiesen seien, stehe allerdings nicht zu befürchten, dass die EU ihren Druck auf Moskau erhöhen und weitere Sanktionen gegen Russland verhängen werde, prognostizierte Alexander Gussew, Direktor des Instituts für strategische Planung.

In Wirklichkeit ist Europa in vielerlei Hinsicht auf Russland angewiesen – sowohl wirtschaftlich als auch geopolitisch. Moskau erhält das Kräftegleichgewicht in Europa aufrecht, und Europa sei darüber im klaren, unterstrich auch Alexei Muchin, Generaldirektor des Zentrums für politische Information. Muchin wörtlich: „Russland spielt nach wie vor eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung der Stabilität in Europa. Und die Europäer sind sich dessen bewusst. Sie schätzen die Bemühungen Wladimir Putins und des russischen Außenministeriums hoch ein. Künftig ist die Annäherung der Positionen Russlands und der EU unvermeidlich, trotz der Haltung von Brüssel und einigen Verbündeten der USA. Das ist eine schlechte Nachricht für die USA, die ihre Militärpräsenz in der EU ausbauen wollen und versuchen, die Entwicklung der europäischen Wirtschaft zu hemmen, indem sie in Europa zerstörenden Einfluss verbreiten, wie es heute in der Ukraine der Fall ist.“

Bei dem Moskauer Treffen wurden die russischen Diplomaten darauf eingeschworen, dass der Kreml auch weiterhin am derzeitigen Kurs festhalten werde, der unabhängig und im völkerrechtlichen Rahmen verfolgt werden solle. Russland werde die „staatlichen Interessen zunehmend verteidigen“, meldete der Radiosender „Stimme Russlands“ über das Moskauer Treffen.

Wichtig sei außerdem das richtige Image des Landes auf dem internationalen Parkett. Russland müsse weltweit ernstgenommen werden. Das sei nötig, um der US-Eindämmungspolitik standzuhalten, hob Stratege Alexander Gussew hervor. Russland sei auf dem Weg zum „Vorbild für das richtige Verhalten einer ernsten politischen Kraft auf dem internationalen Parkett“. Viele Länder, die noch keine feste Haltung zu akuten globalen Problemen haben, orientierten sich mittlerweile an Russland.

Letzte Änderung am Montag, 07 Juli 2014 13:00
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