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Respektlose Geschichtspolitik

Südtirol soll zu Kriegseintrittsfeier gezwungen werden

Donnerstag, 21 Mai 2015 14:30 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Flagge Südtirols Flagge Südtirols

Bozen - Ungeachtet der zahlreichen militärischen bzw. terroristischen Krisenherde in den verschiedensten Teilen der Welt, glaubte man doch, daß es inzwischen Konsens geworden sei, anstelle von Kriegseintritten vielmehr das Ende kriegerischer Handlungen politisch zu würdigen. Die Formel „Nie wieder Krieg“ wurde quer durch die politische Landschaft wiederholend im Munde geführt. Doch in Italien scheint man offensichtlich davon etwas abzuweichen und fühlt sich bemüßigt, auch den ein oder anderen Kriegseintritt des Landes feierlich zu begehen. Aus Sicht Südtirols, das bekanntlich gemäß eines Geheimabkommens mit England, Frankreich und Rußland von 1915 im Diktat von Saint-Germain im Jahre 1919 bis zum Brennerpass von Italien annektiert wurde, ist es allerdings eine Demütigung, die ihres Gleichen sucht, den 100. Jahrestags des italienischen Kriegseintritts gegen Österreich, dem immerhin Südtirol ursprünglich angehört, feiern zu sollen.

So jedoch soll es auf italienischen Wunsch hin, oder richtiger gesagt, auf Anordnung geschehen. Das italienische Regierungskommissariat hat an alle Süd-Tiroler Gemeinden, den Landeshauptmann und den Landtagspräsidenten eine Anordnung verschickt, am kommenden Sonntag, den 24. Mai, die italienische Fahne an den öffentlichen Gebäuden zu hissen, um damit den Kriegseintritt Italiens gegen Österreich vor 100 Jahren zu feiern. Die Süd-Tiroler Freiheit fordert das Land und die Bürgermeister auf, sich diesem respektlosen regierungskommissarischen Fahnendiktat vehement zu widersetzen und keinesfalls die Fahne des Besatzerstaates zu hissen. Der Landtagsabgeordnete der Bewegung Sven Knoll äußerte sich unmißverständlich mit den Worten: „Es ist inakzeptabel, dass Süd-Tirol genötigt wird, den Krieg gegen das eigene Vaterland Österreich zu glorifizieren. Der 100. Jahrestag des Kriegseintritts ist für Süd-Tirol kein Freudentag, sondern ein Trauertag, da Italien mit diesem Krieg unserem Land nur Leid, Tod, Verwüstung und die Teilung Tirols gebracht hat.“

Bei so wenig Fingerspitzengefühl kann man dem kommenden Sonntag nur entgegenbangen, sollte diese Anordnung nicht revidiert werden. Schließlich dürfte nicht gänzlich auszuschließen sein, daß so manche Südtiroler ggf. Versuche unternehmen könnten, empört die italienische Trikolore von den Gebäuden zu entfernen, wodurch infolge unbedachter behördlicher Reaktionen womöglich leicht größere Unruhen losgetreten werden könnten ...

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