www.derfflinger.de

Freigegeben in Politik

Großbaustelle Gesundheitswesen

Sachverständigengutachten wird Debatte der nächsten Monate prägen.

Dienstag, 08 Juli 2014 17:31 geschrieben von  Jens Hastreiter
Sachverständigengutachten wird Debatte der nächsten Monate prägen. Quelle: pixabay.org

Berlin - Bund und Länder basteln derzeit an einer großen Krankenhausreform. Eine solche ist auch dringen von Nöten, da der demographische Niedergang den Bedarf die vergangenen Jahre in die Höhe schnellen ließ, und in etwa die Hälfte aller Einrichtungen Defizite zu verzeichnen haben. Doch sind die Krankenhäuser nicht das alleinige Sorgenkind im bundesdeutschen Gesundheitssektor. Das gesamte medizinische Versorgungssystem steht vor immensen Herausforderungen bzw. sieht sich mit Problemen konfrontiert. Neben Krankenhausfinanzierung sind auch Ärztemangel und Pflegenotstand gängige Alltagsvokabeln der politischen Auseinandersetzung. Um der Bedeutung und Komplexität dieses Sektors gerecht zu werden und eine fachlich kompetent unterfütterte politische Gestaltung zu gewährleisten, ist ein Sachverständigengremium berufen, der Politik beratend zur Seite zu stehen. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen hat den Auftrag, der Regierung in Regelmäßigkeit gesundheitspolitische Vorschläge darzustellen. So geschehen auch jüngst.

Die aktuell vorgelegte - mehr als 600-Seiten starke - Studie des Expertengremiums, zu der Ende September in Berlin ein eigenes Symposium stattfinden wird, bestätigt eine den Menschen spürbare und bereits vielfach artikulierte Fehlverteilung zwischen ruralen und urbanen Räumen. Hauptsächlich zeigt sich dies in einem zunehmenden Ungleichgewicht zwischen hausärztlicher und fachärztlicher Versorgung. Zudem herrschen finanzielle Defizite bei Einrichtung der stationären Versorgung vor, während  Versorgungslücken im ambulanten Bereich zu verzeichnen sind.

Die Probleme sind nicht neu und werden allseits überwiegend erkannt, die Meinungen divergieren vielmehr bezüglich der Lösungsansätze. Zur konkreten Diskussionsgrundlage liegen als Expertenvorschläge jetzt unter anderem folgende Überlegungen vor: Zum einen Zuschläge für Gebiete mit Unterversorgung von mindestens 10 % für Haus- und 25 % für Fachärzte - der sogenannte „Landarztzuschlag“ -, sowie andererseits der Aufkauf freiwerdender Arztsitze durch die Kassenärztliche Vereinigung ab einem Versorgungsgrad von 200 %. Weiter wird empfohlen, unterhalb eines Versorgungsgrads von 75 % eine Übertragung des Versorgungsauftrags von der Kassenärztlichen Vereinigung auf die Länder zu ermöglichen und den Ausbau der Allgemeinmedizin in den Studienplänen an den medizinischen Fakultäten voranzutreiben. Das Gutachten nimmt auch zur Pflege Stellung und zielt diesbezüglich im Wesentlichen auf eine Reform der Pflegeausbildung ab.

Es findet sich noch eine Vielzahl weiterer Detailvorschläge, vermisst wird in der Expertise allerdings eine aktiv am demographischen Negativtrend ansetzende Handlungsperspektive, die auf Fragen wie Fachkräfte und struktureller Remanenzkosten Auswirkung hätte. Nicht zuletzt daraus resultiert jedoch der Zielkonflikt zwischen der Abdeckung eines komplexen Leistungsspektrums in der Fläche und/oder einer Konzentration auf eine qualitativ hohe Grundversorgung. Darüber hinaus wird sich zu den Fragen der Qualitätsaspekte in der Krankenhausplanung und der Abstimmung, insbesondere im ländlichen Raum der Aspekt der Finanzierung gesellen und die Debatte zuspitzen. Unter Umständen könnte sich die künftig zuspitzen bis zur Frage Krankenhaussicherung oder Bankenrettungen.

Artikel bewerten
(2 Stimmen)
Schlagwörter: