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Die Industrie warnt

Scheitert die Energiewende an Horst Seehofer?

Freitag, 02 Januar 2015 18:55 geschrieben von  Torsten Müller
Horst Seehofer Horst Seehofer Quelle: CSU

München - Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo hat vor einem Scheitern der Energiewende gewarnt. Besonders Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) stellt er ins Zentrum seiner Kritik. Konkret warnt Grillo davor, dass Seehofer im Streit um den Ausbau des Stromnetzes den Bogen überspannt. Laut Grillo gefährden Egoismen der Bundesländer die Energiewende.

Seehofer spricht sich gegen den geplanten Bau von Stromtrassen von Nord nach Süd aus. Mit den geplanten Trassen soll Windstrom aus dem Norden und Osten in den Süden transportiert werden. Zahlreichen Experten zufolge sei es sehr wahrscheinlich, dass die Strompreise im Süden Deutschlands deutlich steigen, wenn der Netzausbau weiterhin blockiert werde. Grillo sagte in Richtung Seehofer: „Bayern kann nicht autark sein. Wir brauchen nicht 17 Energiewenden in Deutschland. Wir brauchen dringend eine gesamteuropäische Energiewende.“ Grillo rechnet mit einem Effizienzgewinn von jährlich 50 Milliarden Euro, wenn Europa einen vollständig integrierten Energiemarkt schaffen würde.

Schon jetzt gibt es eine deutliche Schieflage bei den Strompreisen. In ländlichen Regionen steigen die Netzentgelte durch neue Ökostrom-Anlagen, in städtischen Regionen wiederum stagnieren die Entgelte. Eine Studie der Berliner Denkfabrik Agora Energiewende hat ergeben, dass eine Familie mit einem Stromverbrauch von 3.500 Kilowattstunden in Berlin 236 Euro, in Mecklenburg-Vorpommern allerdings schon 411 Euro für die Stromnetze zahlt. Der Chef der Denkfabrik, Patrick Graichen sagte dazu: „Schon heute belaufen sich die Netzentgelte bundesweit auf mehr als 17 Milliarden Euro, das ist fast so viel wie die Ökostrom-Förderung.“

Graichen zufolge werden die Netzentgelte durch den notwendigen Netzausbau weiter auseinanderdriften, was seiner Ansicht nach eine bundesweit einheitliche Regelung erforderlich mache. Der Netzausbau wird in den kommenden Jahren ohne Erdkabel etwa 22 Milliarden Euro kosten, weil 2.800 Kilometer an neuen Höchstspannungsleitungen gebaut und 2.900 Kilometer optimiert werden müssen.

Ein wesentliches Ziel der Energiewende ist, den Anteil regenerativer Energien am Gesamtstromaufkommen deutlich zu erhöhen. So soll der heutige Anteil von etwa 25 Prozent bis zum Jahr 2035 auf 55 bis 60 Prozent erhöht werden.

Die Politik sollte allerdings bedenken, dass die Verbraucher für diese grundsätzlich gute Idee nur Verständnis aufbringen können und werden, wenn sie sich die Stromrechnung auch leisten können.

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