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Gutmenschliche Erziehungspraktiken

Schleswig-Holstein schafft die Schulnoten ab

Freitag, 25 Juli 2014 11:35 geschrieben von  Susanne Hagel
Landesdienstflagge von Schleswig-Holstein Landesdienstflagge von Schleswig-Holstein Quelle: wikipedia.org

Kiel - Schleswig-Holstein schafft die Schulnoten in der Grundschule nun gänzlich ab. Den Gemeinschaftsschulen steht es außerdem frei bis zur 8. Klasse notenfrei die Leistung der Schüler zu beurteilen. Schließlich kämen in so einer Schule sehr unterschiedlich leistungsfähige und leistungsbereite Schüler zusammen. Es wäre deshalb schwierig diese vielfältige Bandbreite mit sechs Zahlen abzubilden ohne unfair zu sein.

Worin jetzt genau die Ungerechtigkeit besteht, wenn in einem Test im siebenten oder achten Schuljahr der eine Schüler volle Punktzahl erreicht, während ein anderer nur die Hälfte schafft, erschließt sich mir nicht. Vielmehr erscheint es als Augenwischerei: ein Schüler wird nicht besser, nur weil er keine Note auf seine schlechten Leistungen bekommt. Später im Arbeitsleben, wenn Leistung gefordert ist, sagt auch kein Chef zu ihm: "Sie haben zwar ihr Ziel nicht erreicht, aber schön, dass Sie immer pünktlich und höflich sind". Ich frage mich ernsthaft, was solche Entscheidungen bringen sollen. Ich sehe vielmehr die Gefahr ohnehin schon unmotivierte Schüler in Watte zu packen. Gewiss es gibt Fächer, in denen Talent und individuelle Fähigkeiten gegenüber Leistungsbereitschaft und Motivation überwiegen. Gerade in den höheren Schuljahren sind Sport, Musik und Kunst in meinen Augen Fächer, bei denen es keine Benotung von 1-6 geben müsste. Ein unsportliches Kind kann sich beim Sprint noch so bemühen, es würde nur durch über dem Verhältnis stehendem Training in seiner Freizeit eventuell eine Verbesserung seiner Leistung erreichen können. Ein anderes dagegen kann, auch unter größten Mühen, einfach nicht harmonisch singen. Anders ist der Fall in Fächern wie Deutsch und Mathe gelagert: die Schüler starten in der ersten Klasse nahezu alle bei Null und bekommen ihr Wissen im Rahmen des Unterrichts vermittelt, welches dann in Form von Klassenarbeiten abgefragt wird.

Natürlich weiß jeder wie frustrierend es ist, wenn man für eine Arbeit lange gelernt hat und dann in der Arbeit versagt. Und ja, das mit anzusehen, schmerzt auch die Eltern, welche zum Teil ebenfalls viel Freizeit in das Üben mit ihrem Kind investieren. Aber Notenfreiheit ändert am Ergebnis nichts: entweder ich bestehe oder ich bestehe im Test eben nicht. Kinder lernen somit auch wichtige Dinge, wie sich zu beweisen, stressige Situationen auszuhalten, mit Scheitern umzugehen, sich selbst zu motivieren, Fleiß, Disziplin, dass man etwas tun muss um entsprechend entlohnt zu werden, stolz zu sein auf Erreichtes. Das alles wird in Schleswig-Holstein verwischt zu einem umfangreichen Bericht, der am Ende aber doch nichts daran ändert, dass es Kinder gibt, die gute Leistungen erzielen und weniger gute. Diese Ungerechtigkeit durch Wegfall von Noten ausmerzen zu wollen, ist eine Farce: vielmehr müsste man, wolle man jedem Kind gerecht werden, Einzelunterricht mit dem exakten Zuschnitt auf eben dieses Kind anbieten oder gar gleich die Schule streichen und nur das fördern, was das Kind eh schon kann. Wo da das Wachstum der Persönlichkeit bliebe, sei dahingestellt.

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