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Verändert sich die politische Geographie?

Selbstbestimmungs-Tagung in Venedig: Mit dabei die Süd-Tiroler Freiheit!

Donnerstag, 25 September 2014 03:06 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Selbstbestimmungs-Tagung in Venedig: Mit dabei die Süd-Tiroler Freiheit! Quelle: SÜD-TIROLER FREIHEIT

Meran - Am vergangenen Wochenende fanden sich in Mestre/Venedig Vertreter der europäischen Unabhängigkeitsbewegungen, Autonomisten und Föderalisten zu einer von der Europäischen Freien Allianz (EFA) organisierten „Selbstbestimmungs-Tagung“ zusammen, die zwangsläufig unter dem Lichte des jüngsten Schottland-Referendums stand. Unter den Teilnehmern der Tagung war auch die Süd-Tiroler Freiheit mit von der Partie, prominent vertreten durch die Landtagsabgeordnete Eva Klotz. EFA-Direktor Günther Dauwen aus Flandern konstatierte, daß das Referendum in Schottland Europa für immer verändert und eine neue demokratische Ära eröffnet hätte. Der ehemalige katalanische Europaparlamentarier Bernat Joan i Mari hält den Selbstbestimmungsgedanken inzwischen für nicht mehr aufzuhalten und kündigte mit Blick auf das Referendum am 09. November in Katalonien sogar an, sich im Fall einer Nichtanerkennung durch die spanische Regierung in Madrid eben einseitig für unabhängig zu erklären.

Antonio Guadagnini von der Bewegung „Noi Veneto indipendente“, zu der sich die Unabhängigkeitsbewegungen Venetiens zusammengeschlossen haben, kündigte ein Unabhängigkeitsreferendum in Venetien an. Nachdem der Regionalrat ein diesbezügliches Gesetz mit großer Mehrheit verabschiedet hat, geht Guadagnini von einem eindeutigen Ergebnis aus. Im Regionalrat Sardiniens fehlte nur eine Stimme für ein entsprechendes Gesetz. Die Diskussionsrunde mit der Süd-Tiroler Landtagsabgeordneten Eva Klotz war ein Höhepunkt der Tagung. Mit Nachdruck führte sie aus, daß alle Behauptungen, ein Unabhängigkeitsreferendum sei nicht möglich bzw. würde zum Verlust der Autonomie oder gar zum Bürgerkrieg führen, durch die Ereignisse in Schottland Lügen gestraft wurden. Insbesondere zeigte sie sich erfreut, über erkennbare Anzeichen eines ersten Umdenkens bei der SVP, und maß dabei der Vorarbeit in Schottland nicht zu unterschätzende Bedeutung bei.

Bescheidenere Wünsche waren aus der Region Friaul geäußert worden, wo sich die slowenisch- und deutschsprachigen Kanaltaler für eine Respektierung ihrer Sprache und Kultur engagieren, die sie durch die  Abschaffung der Provinzen und die geplante Zusammenlegung von Gemeinden immer mehr in die Defensive gedrängt sehen. Beim Kanaltal im nördlichen Friaul handelt es sich um ein 23 km langes Tal im Dreiländereck Italien-Österreich-Slowenien, das früher einmal dem Hochstift Bamberg und später den Habsburgern angehörte. Noch im Jahr 1910 waren dort kaum italienische Einwohner ansässig, doch nach dem Ersten Weltkrieg wurde es im Vertrag von Saint-Germain Italien zugesprochen. Nach 1945 wurde in einigen Schulen wieder Deutschunterricht erteilt, allerdings lediglich als Nachmittagswahlfach. Heute wird dort wieder ein bis zwei Wochenstunden Deutsch unterrichtet. Noch heute ist dort jedoch der oberkärtnerische Dialekt gleich der Villacher Gegend zu hören. - Die Zukunft wird zeigen, ob das heutige Italien in seiner gegenwärtigen Form Bestand haben wird, ja ob nicht volkstumsbezogene kulturmächtige Wirklichkeiten absehbar sogar in der Lage sind, den europäischen Zentralismus ins Reich der Geschichte zu verlagern.

Letzte Änderung am Donnerstag, 25 September 2014 03:13
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