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Fachkräftemangel

Sigmar Gabriel will Pflegekräfte im Ausland anwerben

Freitag, 22 August 2014 13:30 geschrieben von  Torsten Müller
Sigmar Gabriel, SPD-Parteivorsitzender, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, MdB Sigmar Gabriel, SPD-Parteivorsitzender, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, MdB Bild: © Dominik Butzmann / SPD

Berlin - Der Fachkräftemangel wird von Vertretern der etablierten Parteien stets dann bemüht, wenn mal wieder mehr Einwanderung gefordert werden soll. Doch haben schon mehrere renommierte Wirtschaftsinstitute darauf hingewiesen, dass es in Deutschland keinen flächendeckenden und branchenübergreifenden Fachkräftemangel gibt und dass dieser, so wie gerne herbeihalluziniert, auch nicht zu erwarten ist. So ist doch klar, dass ein echter Fachkräftemangel steigende Löhne mit sich bringen würde. Wenn das Angebot an Arbeitskraft abnimmt, müsste deren Preis, also der Lohn, steigen. In der Realität haben wir aber in Deutschland seit Jahren sinkende Reallöhne.

Dennoch wird auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) nicht müde, von Fachkräftemangel zu reden. Er konstatiert besonders im Pflegesektor einen Fachkräftemangel, der nicht ohne Zuwanderung zu kompensieren sei. Da die Zahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2030 von 2,3 auf 3,4 Millionen steigen wird, ist von einem höheren Bedarf an Pflegekräften zu rechnen.

In einem Vorwort zu einer Broschüre anlässlich einer Fachtagung im Ministerium sprach Gabriel nun davon, dass Fachkräftemangel in der Altenpflege nur mit Hilfe von Drittstaaten außerhalb der Europäischen Union zu beheben sei. Besonders in den Fokus sei Vietnam zu rücken. Laut Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist davon auszugehen, dass in den kommenden Jahren etwa 150.000 Pflegekräfte in Deutschland fehlen werden. Derzeit werden vor allem Pflegekräfte aus den Philippinen, aus Serbien, Bosnien und Tunesien angeworben.

Rainer Santowski, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, verstieg sich nun gar zu der Aussage, dass die bisher praktizierte „Willkommenskultur“ nicht mehr ausreiche, sondern durch eine „Bleibekultur“ ersetzt werden müsse. Die Arbeitsbedingungen sollen so gestaltet werden, dass Arbeitskräfte aus anderen Ländern zum dauerhaften Verbleib in Deutschland animiert werden.

Da die anderen europäischen Länder mittelfristig die gleichen demographischen Probleme bekommen werden, sei davon auszugehen, dass Arbeitskräfte aus diesen Ländern nicht ausreichen werden, um einen drohenden Pflegenotstand abzuwenden.

Grit Braeseke vom Institut für Europäische Gesundheits- und Sozialwirtschaft merkte derweil an, dass die Betreuung ausländischer Fachkräfte nicht selten auch Probleme mit sich bringe.

Es stellt sich die Frage, warum nicht versucht wird, mit gezielten Umschulungs- und Fortbildungsmaßnahmen für deutsche Arbeitslose den Mangel an Pflegekräften zu beheben. Auch ist fraglich, warum nicht durch eine vernünftige Lohnpolitik im Pflegesektor dafür gesorgt wird, dass der Beruf an Attraktivität gewinnt.

Letzte Änderung am Samstag, 23 August 2014 14:02
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