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Der „Migrant“ stört

Skurril: Hessische Grünen-Abgeordnete versucht sich mit Sprachhygiene

Samstag, 21 Juni 2014 17:03 geschrieben von  Jens Hastreiter
Mürvet Öztürk, MdL Mürvet Öztürk, MdL Quelle: gruene-hessen.de

Wiesbaden - Der frühere Berliner Finanzsenator und Bestsellerautor Thilo Sarrazin („Deutschland schafft sich ab“ ist wieder einmal an allem schuld. Er habe das Wort „Integration“ zu einem negativ aufgeladenen politischen Kampfbegriff gemacht – deshalb soll das Wort jetzt aus dem Sprachgebrauch verschwinden.

Das ist kein verspäteter Aprilscherz, sondern das ernstgemeinte Anliegen der hessischen Grünen-Abgeordneten Mürvet Öztürk. Unterstützung findet sie damit bei Vertretern aus Politik und Wirtschaft.

Frau Öztürk geht sogar noch weiter: In der Art und Weise, wie Sarrazin die Begriffe „Integration” und „Migrationshintergrund” benutze, seien beide Bezeichnungen sogar „diskriminierend und rassistisch“. Deshalb schlägt sie jetzt vor, das Wort „Integration” durch „Vielfalt„, „gesellschaftliche Teilhabe„, „Pluralität” oder einfach „Demokratie” zu ersetzen.

Kritiker finden diesen Vorstoß zur Sprachreinigung abstrus und verweisen darauf, dass das etwas sperrige Wort „Migrationshintergrund“ in den letzten Jahrzehnten ja nicht zuletzt deshalb geprägt worden sei, um zu verhindern, daß in Deutschland lebende Ausländer durch andere, weniger abstrakt klingende Vokabeln denunziert werden. Ziel war es, einen Sammelbegriff für all jene zu schaffen, die oder deren Familien in den vergangenen Jahrzehnten aus dem Ausland nach Deutschland gekommen sind, ohne Rückschlüsse auf ihre Religionszugehörigkeit, die Ethnie oder die Nationalität zu erlauben. Der Begriff „Migrationshintergrund“ hat also sprachlich sogar eine explizit schützende Funktion.

Ein Mensch mit Migrationshingergrund stammt entweder selbst aus dem Ausland oder ist das Kind von Eltern aus dem Ausland. Die Alternative zu der Umschreibung „Migrationshintergrund” wäre die direkte Bezeichnung des Herkunftsvolkes oder der Nationalität.

Die hessische Grünen-Abgeordnete Öztürk behauptet nun, „den oder die Migranten” gebe es gar nicht. Vielmehr seien seit den Erfolgen des Thilo Sarrazin nur noch die nach Deutschland zugereisten Muslime „Migranten“.

Aber auch das ist sachlich daneben. Denn objektiv ist nach wie vor jeder, der von irgendeinem Land der Welt in ein anderes zieht – im übrigen auch von Deutschland aus – ein „Migrant“.

Unsinnig wäre es auch von „Fremden” zu reden. Zwar sind Ein- und Auswanderer zunächst einmal fremd. Das aber nur für eine Übergangszeit. Und auch der Vorschlag Öztürks, anstelle von „Integration” künftig „Vielfalt„, „gesellschaftliche Teilhabe„, „Pluralität” oder Demokratie zu sagen, scheidet aus, weil all diese Worte etwas ganz anderes meinen und ihren festen Platz in der deutschen Sprache haben – aber eben für ganz andere Dinge, als „Migrant“/„Migrationshintergrund“ aussagen.

Naheliegend ist etwas anderes. Frau Öztürk möchte einfach – was bei Grünen und anderen Meinungswächtern auch sonst vorkommt - bestimmte Dinge nicht mehr beim Namen nennen, in der Hoffnung, dass die unangenehme Sache (vor allem wenn sie in der Öffentlichkeit oft mit weiteren unangenehmen Neben- und Folgewirkungen wahrgenommen wird) dann von selbst aus dem Bewusstsein verschwindet. Die Grünen liefern für diese Ausblendtaktik selbst jede Menge weiterer Beispiele. So sollen die biologischen Geschlechter immer aufdringlicher durch die Gender-Diskussion vernebelt werden. Auch unterschiedliche „Rassen“ gibt es für die Grünen nicht.

Tatsächlich kann niemand bestreiten, dass die „Integration“ von Zuwanderern ein Problem ist und mit vielen Folgeproblemen verbunden ist – Kosten, Belastungen für Einheimische, erhöhte Krimnalitätsziffern und vieles andere. Das alles sollte, ginge es nach Frau Öztürk und ihren Mitstreitern, am besten einfach ausgeblendet werden, indem die Sache sprachlich unter den Teppich gekehrt wird.

Nur: die Erfahrung lehrt, dass solcherlei Vogel-Strauß-Politik nicht funktioniert, und Verdrängtes meldet sich oft umso hartnäckiger wieder in der Realität zurück. Frau Öztürks Zensurversuch ist mithin eher der krampfhafte Versuch, sich selbst ins Knie zu schießen.

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