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"Lucke und Kölmel müssen weg“

Soll AfD-Parteichef Bernd Lucke durch Frauke Petry gestürzt werden?

Dienstag, 25 November 2014 14:01 geschrieben von  Johann W. Petersen
Oft unterschätzt und doch gerissen: AfD-Politikerin Frauke Petry Oft unterschätzt und doch gerissen: AfD-Politikerin Frauke Petry Quelle: afdbayern.de

Berlin - Der Sprecher der Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke, wird möglicherweise im nächsten Jahr nicht mehr für das höchste Vorstandsamt in seiner Partei kandidieren. Zur Begründung erklärte Lucke gegenüber der F.A.Z.: „Tatsächlich geht es darum, dass ich entlastet werden muss von dem erdrückenden Arbeitspensum“.

Zuvor hatte es im AfD-Bundesvorstand eine Auseinandersetzung über die Frage gegeben, ob auf dem nächsten Parteitag, der voraussichtlich Ende Januar 2015 in Bremen stattfinden soll, die Satzung so geändert werden soll, dass an der Spitze der Partei künftig nur noch ein Bundesvorsitzender statt wie bisher drei formell gleichberechtigte Sprecher stehen sollen. Momentan sind dies neben Lucke der Publizist Konrad Adam und die sächsische Landes- und Fraktionschefin Frauke Petry.

Letztere erklärte gegenüber der F.A.Z., sie finde es „unglücklich“, wenn Lucke eine Vorentscheidung über eine neue Satzung erzwingen wolle. Sie arbeite „ungern mit Drohungen“. Konrad Adam sagte der Zeitung, Lucke sei zwar „in mancher Beziehung unentbehrlich“, habe jedoch bereits mehrfach mit Rücktritt gedroht. Zuletzt hatte der Brandenburger AfD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland, den an der Basis viele gerne an der Parteispitze sehen würden, Lucke vorgeworfen, ein „Kontrollfreak“ zu sein. Dieser erklärte dazu gegenüber der Wochenzeitung „Junge Freiheit“: „Alexander Gaulands Verhalten macht mich sprachlos. Ich werde mich nicht öffentlich dazu äußern, sondern auf dem Satzungsparteitag der AfD eine persönliche Erklärung abgeben.“

Ob Gauland, möglicherweise im Verein mit Petry und dem als Rechtsausleger bekannten Thüringer Landes- und Fraktionsvorsitzenden der AfD, Björn Höcke, im Hintergrund an einem Sturz Luckes arbeiten, kann nur gemutmaßt werden, Fakt ist jedoch, dass zumindest im sächsischen Landesverband der Partei davon schon offen gesprochen wird. Dies geht aus einem Schriftverkehr zwischen dem Leipziger AfD-Kreisvorstandsmitglied Hans-Thomas Tillschneider und dem früheren AfD-Funktionär Jürgen Hofmann aus Baden-Württemberg hervor, der diesem Nachrichtenportal vorliegt. Offenbar soll organisiert werden, Lucke, aber auch seinen EU-Parlamentskollegen Bernd Kölmel als Landessprecher der AfD Baden-Württemberg abzuwählen. In der Antwortmail von Hofmann an Tillschneider, der auch als Kritiker der sächsischen AfD-Landesvorsitzenden Frauke Petry bekannt ist, heißt es unter anderem: „Lucke und Kölmel müssen weg, damit es mit der AFD und dem Patriotismus aufwärts geht. Alexander Gauland und Frauke Petry haben Recht. Lucke ist ein Kontrollfreak, der die Partei immer vor vollendete Tatsachen setzt und eine Parteisatzung nach seiner Vorstellung erzwingen will. (…) Marcus Pretzell bringt es auf den Punkt, wenn er sagt, dass eine erzwungene Parteisatzung  von Luckes Gnaden das größere Übel ist als die Abwahl von Lucke. Der Patriotischen Plattform kommt als Schlüsselplattform des Widerstandes gegen Lucke, Kölmel und ihre Schranzen dabei eine große Aufgabe und Verantwortung für die Zukunft der AFD zu.“

Tillschneider ist Sprecher jener angesprochenen „Patriotischen Plattform“, die sich als Zusammenschluss betont deutsch-national ausgerichteter AfD-Mitglieder versteht. Sie wendet sich unter anderem gegen die von Lucke und anderen Spitzenfunktionären der AfD betriebene Abgrenzung gegenüber rechten Gruppierungen in Deutschland und auf europäischer Ebene. Der Schriftwechsel zwischen Tillschneider und Hofmann belegt, dass es sich bei der Auseinandersetzung um Lucke nicht nur um eine reine Personal-, sondern um eine handfeste politische Frage handelt.

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