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Kunsthandel

Sotheby´s goes online!

Dienstag, 15 Juli 2014 22:18 geschrieben von  Gerhard Keil

London - Zwischen dem Exklusivmarkt des traditionsreichen Auktionshauses Sotheby´s und dem Internetmassenmarkt von Ebay kommt es zu einer Fusion der marktkulturellen Gegensätze. Bereits ab Herbst diesen Jahren soll es aufgrund einer Kooperation möglich sein, die Auktionen des Hauses nicht nur in Echtzeit mitzuverfolgen, sondern sogar Angebote über Internet zu ersteigern. Eine zur Gänze unbekannte Innovation stellt dies zwar nicht dar, haben sich doch diverse Plattformen wie beispielsweise artnet.com und ähnliche bereits in diese Richtung spezialisiert. Doch sind es bislang nur etwa ein Anteil von 5 % im Kunsthandel, die online abgewickelt werden. Allerdings hört man auch aus dem Konkurrenzhaus Christie´s von Plänen über eine Internethandelsplattform. Vermutlich ist dieser Schritt auch mit Blick darauf mehr wettbewerbs- statt innovationsgetriebener Natur, nachdem Sotheby´s schon einmal versuchte - ebenfalls mit Ebay – diesen Markt zu erschließen, jenes Projekt jedoch aufgrund mangelnder Nachfrage 2002 wieder beendete. Vielleicht spielt aber auch der zunehmende Einfluß des inzwischen dem Vorstand angehörenden Hedgefonds-Verwalters Daniel S. Loeb eine Rolle, der mit seinem 15%-Anteil im Rücken eine etwas progressivere Unternehmensstrategie verfolgt.

In gewisser Hinsicht darf wohl von einem Traditionswechsel gesprochen werden, da fraglich ist, wie sich das neue Geschäftsfeld mit dem bisherigen Selbstverständnis des Hauses auf besonders gehobenen Anspruch in Einklang bringen läßt. Aus unternehmensphilosophischer Sicht stellt sich die Frage, ob mit dem Eintritt in den Massenmarkt nicht die Exklusivität als wesentliches Markenzeichen von Sotheby´s leiden wird. Ein Indiz, daß über derartiges auch im Hause Sotheby´s nachgedacht wird, ist an der Entscheidung ersichtlich, vorerst das oberste Marktsegment mit den bekannten prestigeträchtigen Versteigerungen der künstlerischen Millionenwerte in bewährter Weise dem Auktionssaal vorzubehalten. Die Entwicklung wird zeigen, ob auf analoger oder digitaler Unternehmensstrategie höhere Umsatzzahlen zu erreichen sind. Nicht außen vor gelassen werden sollte jedoch auch die Abwägung nach dem überwiegenden Interesse, dem man sich verpflichtet fühlt. Ist es der Shareholder-Gedanke oder die Kultur, wobei hinsichtlich Letzterem auch der Aspekt der quantitativen Partizipation an Kultur ein Anrecht auf Berücksichtigung bezüglich einer Bewertung gelten machen darf. Letztendlich wird die Nachfrageseite ein gewichtiges Wort mitsprechen, ob beim Produkt Kunstwerk ein inspektionsloses Angebot marktfähig ist, oder nicht.

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