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Das Drohnen-Monopol wackelt

Studie: Russland und China ziehen bis 2020 mit den US-Streitkräften gleich

Dienstag, 24 Juni 2014 13:32 geschrieben von  Jens Hastreiter
MQ-9 Reaper MQ-9 Reaper Quelle: U.S. Air Force, Foto: Paul Ridgeway

Berlin - Drohnen, also unbemannte Flugkörper, zählen schon heute zum Waffenarsenal künftiger Kriege. Sie sind ohne Risiko für Leib und Leben von Piloten aus großer Entfernung zu steuern und werden in den nächsten Jahren das Bild bewaffneter Konflikte revolutionieren. In den USA, wo heute bereits hunderte von Kampfdrohnen bei den Streitkräften im Einsatz sind, werden inzwischen mehr Drohnen-Piloten als Piloten für konventionelle Kampfflugzeuge ausgebildet.

Die US-Streitkräfte setzen Drohnen seit Anfang des 21. Jahrhunderts weltweit zur gezielten Ausschaltung von „Terroristen“ ein, schwerpunktmäßig in Pakistan. Dort sollen seit 2004 fast dreihundert Drohnen-Einsätze erfolgt sein, mit mehreren tausend Toten. Bei den Einsätzen kommt es immer wieder zur Tötung von Unbeteiligten, und besonders umstritten ist die Praxis, das Ziel nach einem erfolgreichen Angriff noch ein zweites Mal angzugreifen, um Rettungsarbeiten zu erschweren und Panik zu verbreiten. Laut der US-Studie „Living under Drones“ (2012) kamen zwischen 2004 und 2012 bei amerikanischen Drohnenangriffen zwischen 2500 und 3300 Menschen ums Leben, davon bis zu 881 Zivilsten, unter ihnen wiederum 176 Kinder.

Bislang setzen vor allem die USA auf ferngesteuerte Drohnen-Einsätze. Die US-Streitkräfte verfügen über eine breite Palette an unbemannten Flugobjekten mit einem großen Waffenspektrum. Deren Schwächen wurden allerdings erst dieser Tage durch Presseberichte offenbar, denen zufolge in den letzten Jahren mindestens 400 Drohnen abgestürzt sein sollen.

In den nächsten Jahren werden Russland und China den USA ihr Drohnen-Monopol streitig machen. Nach einer Prognose der Denkfabrik „IHS Jane's“ werden die beiden Länder schon 2020 in der Lage sein, ebenfalls unbemannte Flugzeuge zu bauen, die den bekannten US-Drohnen in nichts nachstehen werden.

„Russland und China entfalten ihr militärisches Potential schnell. Uns liegen Aufklärungsangaben vor, die darauf schließen lassen, dass diese beiden Länder spätestens Ende dieses Jahrzehnts in der Lage sein werden, eigene Drohnen zu bauen, die von der Qualität her dem US-amerikanischen Pendant ´Predator´ in Nichts nachstehen“, teilte ein „IHS Jane's“-Experte in einem Gespräch mit dem britischen „Guardian“ mit.

„IHS Jane's“ erwartet, dass der internationale Drohnenmarkt bis zum Jahr 2022 auf 82 Milliarden US-Dollar wachsen wird. Der US-Inlandsmarkt für unbemannte Flugzeuge geht hingegen zurück und dürfte 2016 seinen Tiefpunkt erreichen, weil die US-Armee im Zusammenhang mit den Etatkürzungen und dem Rückzug aus Afghanistan ihre Einkäufe verringert. Das US-Recht verbietet den größten Drohnenbauern Northrop Grumman, Boeing, General Atomics und Lockheed Martin bislang, ihre Drohnen zu exportieren.

Letzte Änderung am Dienstag, 24 Juni 2014 13:36
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