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"Mittelalterliche Mentalität"

Türkischer Ministerpräsident: IS und PEGIDA haben selbe Logik

Mittwoch, 14 Januar 2015 16:34 geschrieben von 
Ahmet Davutoğlu Ahmet Davutoğlu Quelle: de.wikipedia.org | Foto: Marc Müller | CC BY-SA 3.0 de

Ankara - Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu verglich die deutsche PEGIDA-Bewegung mit der Terrormiliz Islamischer Staat.

"Beide haben eine mittelalterliche Mentalität", so Davutoglu. "Als Terrorgruppen in Mossul Kirchen zerstörten, behaupteten sie, Mossul sei eine islamische Stadt und nur für Muslime." Seit jeher lebten in der nordirakischen Metropole aber auch Christen. "Das ist dieselbe Logik wie die von PEGIDA, dass Deutschland nur den Christen gehöre." Davutoglu erklärte, die Türkei sei "sehr besorgt über PEGIDA", die "eine exklusive christliche deutsche Gesellschaft" fordere. "Das ist nicht nur eine Bedrohung für Türken und Muslime, sondern auch eine Bedrohung für Deutschland selbst." Wie auch bei der IS üblich, suchten die Teilnehmer der PEGIDA die Schuld nur beim Anderen, so der türkische Politiker. "Das ist genau die Mentalität von Daesch (arabische Abkürzung für den IS). Ein vormoderner Name mag Daesch sein, ein moderner Name ist PEGIDA." An die Muslime in Europa gerichtet, erklärte er: "Ihr seid nicht alleine. Die Türkei ist da, um euch zu beschützen."

Davutoglu warf dem Westen außerdem eine "unvollständige Strategie" im Kampf gegen die Terrororganisation IS vor. "Der Kampf gegen den Terror ist keine Alternative zum Kampf gegen ein brutales Regime." Neben dem Kampf gegen den IS, müsse auch der Druck auf das Assad-Regime erhöht werden. "Wir sollten aber nicht wieder Fehler machen: Wenn wir nun Daesch eliminieren, wer wird dann diese Regionen kontrollieren? Eine andere radikale Gruppe wird auftreten." So wäre erst dann eine Lösung im Syrienkonflikt erreicht, wenn die 1,7 Millionen Flüchtlinge, die nun in die Türkei lebten, die Chance zur Rückkehr gekommen sähen. "Sollten wir Daesch heute besiegen, blieben sie in der Türkei. Denn sie würden dann vom syrischen Regime angegriffen. 1,5 Millionen Syrer waren ja vor der Brutalität des Regimes geflohen", so Davutoglu.

Anlässlich seiner Wahlkampfrede vor in Deutschland lebenden Türken im Berliner Tempodrom erklärte er: "Der Islam ist schon vor Jahrhunderten Teil Europas gewesen, er ist es heute und wird es für immer bleiben." Die Türken in Deutschland seien "die Brückenbauer" einer Freundschaft zwischen dem Islam und Europa; sie seien "Botschafter, die ihre Identität niemals vergessen dürfen". Die Flagge der "neuen Türkei" werde auf dem Balkan und im Nahen Osten wie einst das Osmanische Reich geehrt und gefürchtet. Sollte er im Juni bei der Wahl des neuen Parlaments gewählt werden, versprach er eine Gebärprämie für türkische Frauen, wenn diese sich für die Familie und gegen die Ausübung eines Berufs entscheiden. "Jede Frau bekommt für ihr erstes Kind 300 türkische Lira ausbezahlt, für das zweite 400 Lira und für das dritte Baby 600 Lira." 300 türkische Lira entsprechen in etwa 110 Euro.

 

Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte anlässlich des Besuchs des türkischen Ministerpräsidenten, der Islam habe einen festen Platz in der deutschen Gesellschaft. "Von meiner Seite möchte ich sagen, dass unser früherer Bundespräsident Christian Wulff gesagt hat, der Islam gehört zu Deutschland. Und das ist so, dieser Meinung bin ich auch." Sie sei "die Bundeskanzlerin aller Deutschen", was auch jene einschließt, "die hier dauerhaft leben". Sie sprach sich allerdings für einen stärkeren Dialog zwischen den Religionen aus um die Unkenntnis, die es noch immer gebe, zu bekämpfen.

Letzte Änderung am Mittwoch, 14 Januar 2015 16:45
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