www.derfflinger.de

Freigegeben in Politik

Terrorismusbekämpfung

Thomas de Maizière stellt neue Anti-Terror-Einheit vor

Donnerstag, 17 Dezember 2015 22:30 geschrieben von  Susanne Hagel
Thomas de Maizière Thomas de Maizière Bildquelle: Laurence Chaperon

Berlin - Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat am Mittwoch die neue Anti-Terror-Einheit namens Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit plus, kurz BFE+, vorgestellt. Zukünftig soll die Einheit die Bereitschaftspolizei und die GSG9 im Falle eines Terroranschlages unterstützen.

„Diese Einheit kann schützen, diese Einheit kann fahnden und diese Einheit kann entschlossen handeln“, erklärte Dieter Romann, der Präsident des Bundespolizeipräsidiums. „Dadurch hält sie der GSG9 den Rücken frei für Geiselbefreiungen und andere robuste Lagen.“

Fünfzig Mann umfasst die erste Einheit dieser Anti-Terror-Spezialisten, die am Standort Blumberg nahe Berlin von GSG9-Kräften ausgebildet wurde und der Bundespolizei untersteht. Sollte es in Deutschland zu einem ähnlichen Terroranschlag wie in Paris kommen, werden die Männer für die länger andauernde Großfahndung eingesetzt. 2016 soll die BFE+ weiter ausgebaut werden – bis zu 250 Spezialkräfte in mehreren Einheiten sind angedacht. Für ihre Arbeit wurde die BFE+ speziell ausgerüstet: neben gepanzerten Fahrzeugen und Hubschraubern verfügt sie über Spezialwesten und Sturmgewehre.

Auslöser für die Einrichtung der neuen Spezialeinheit war der islamistische Terroranschlag auf ein französisches Satiremagazin im Januar dieses Jahres in Paris. In dessen Folge ließ de Maizière prüfen, inwieweit Deutschland auf eine ähnliche Bedrohungslage personell eingestellt ist und verfügte im Anschluss den Aufbau dieser zusätzlichen Einheit.

Die Prüfung ergab, dass bisher existierende Sondereinheiten vor allem auf Zugriffe fokussiert sind, so etwa das SEK oder die GSG9. Doch die neue Truppe wurde auf einen neuen Tätertyp und eine neue Bedrohungslage vorbereitet: Sie soll groß angelegte, teils tagelange Fahndungen nach hochaggressiven schwerbewaffneten Männern erfolgreich zu Ende führen. In den ruhigen Zeiten ohne terroristische Anschläge verrichten die Spezialkräfte hingegen ihren normalen Dienst in ihren bisherigen Einheiten.

„Es ist eine Bereicherung“, erklärte der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek. Er erinnerte jedoch daran, den normalen Streifenpolizisten nicht zu vergessen: „Der ist im Zweifel der erste, der mit einem Beschuss konfrontiert ist und diesen erwidern muss“, mahnte er. Leider sei die Ausrüstung dieser Beamten mehr als mangelhaft; die meisten Polizisten verfügten nur über ein Magazin für ihre Waffe und noch nicht mal über eine ausreichende Schutzweste.  Der Kritik schloss sich auch Rainer Wendt, der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) an. „Es wäre verantwortungslos, beim einfachen Streifenpolizisten nichts zu tun.“

Artikel bewerten
(2 Stimmen)