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Der Vorzeigeunternehmer äußert sich

Trigema-Chef Wolfgang Grupp übt Kritik an Russland-Sanktionen und USA

Dienstag, 09 September 2014 06:58 geschrieben von  Johann W. Petersen
Wolfgang Grupp, Trigema Wolfgang Grupp, Trigema Quelle: openpr

In einem Beitrag für die „Wirtschaftswoche“ hat sich die Unternehmerlegende Wolfgang Grupp gegen das Säbelrasseln gegen Moskau ausgesprochen und scharfe US-Kritik geübt. Der Text, der im Rahmen seiner regelmäßigen Kolumne „100 Prozent Grupp“ erschien, ist mit der klaren Aussage „Wladimir Putin ist kein Kriegstreiber“ überschrieben.

Der bekannte Chef des Textilherstellers Trigema wirft dem Westen vor, „schwere Fehler“ begangen zu haben und meint: „In der Ukraine-Krise darf sich Deutschland nicht von Amerika am Gängelband herum führen lassen, sondern muss das gute friedliche Zusammenwirken erhalten, das wir uns in den Jahrzehnten nach dem Krieg erarbeitet haben.“ Gleichzeitig betreibt der konservative Firmenpatriarch und Vater zweier Kinder Medienschelte: Deutsche Journalisten würden sich täglich darin überbieten, „teils offen, teils verpackt in den Worten ukrainischer Politiker“ Misstrauen gegen Russlands Präsidenten zu schüren. Grupps Appell lautet daher: „Die Hetze gegen Putin muss aufhören.“ Dieser habe „nicht agiert, sondern reagiert“, und zwar „auf die Tour der Amerikaner, die NATO an die Grenze Russlands heranzuführen."

Für Deutschland stehe viel auf dem Spiel, vor allem die guten Wirtschaftsbeziehungen zu Russland, die nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut wurden. Die Sanktionen des Westens drohten, diese guten Beziehungen kaputtzumachen – und das alles nur, so Wolfgang Grupp, wegen der USA, „die so gut wie keine Wirtschaftsbeziehungen zu Russland hätten und außerdem Europa als Völkergemeinschaft schwächen würden, indem sie einen Keil zwischen West- und Europa trieben.

Die angeblich völkerrechtswidrige Annexion der Krim als Begründung für Sanktionen heranzuziehen, nennt Grupp „scheinheilig“. Hierzu merkt er an: „Tatsache ist, dass Putin vom Westen dazu getrieben wurde. Eine vermeintliche Volksbewegung im Westen der Ukraine, die nachweisbar von den USA mit Milliarden Dollar unterstützt wurde, hat mit Gewalt eine gewählte russlandfreundliche Regierung gestürzt.“ Außerdem scherten sich doch gerade die USA nicht um das Völkerrecht, wenn es um Krieg und Frieden gehe. Grupp wörtlich: „Der Krieg gegen den Irak etwa war ein krasser Verstoß gegen das Völkerrecht. Zudem ist die US-amerikanische Außenpolitik immer wieder in wesentlichen Punkten gescheitert, weil sie zu sehr auf den Konflikt setzt und zu wenig die Interessen der Gegenseite ins Kalkül zieht, so wenig selten diese uns auch gefallen mögen. In Vietnam mussten die Amerikaner als Verlierer abziehen und das Land den Kommunisten zurücklassen. Von einer Befriedung Afghanistans kann nicht im Geringsten die Rede sein. Die hässliche, aber die Region stabilisierende Diktatur von Saddam Hussein im Irak wurde zerbombt und durch ein Machtvakuum ersetzt, in dem sich nun Islamisten ausbreiten, die den ganzen Nahen Osten bedrohen - mit überhaupt nicht absehbaren Kollateralschäden für Verbündete des Westens wie die Türkei und die dort unterdrückten Kurden.“

Der Trigema-Chef fordert daher, sich von Amerika nicht länger gängeln zu lassen, sondern, auch die russische Seite zu hören. Sein Vorschlag: Angela Merkel solle sich mit ihrem Vorgänger Gerhard Schröder vertraulich kurzschließen, „um dessen direkten Draht zu Putin für eine schnelle Deeskalation und eine Rückkehr zur strategischen Partnerschaft mit Putin zu nutzen“. Oberstes Ziel müsse sein, aus der „Sackgasse der Sanktionen“ herauszufinden.

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