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Jean-Claude Juncker ist von ihr überzeugt, aber ...

Umstrittene EU-Kommisarin Violeta Bulc: ein Hauch von Hexenjagd weht durch das Europaparlament

Freitag, 17 Oktober 2014 07:45 geschrieben von  Susanne Hagel
Violeta Bulc Violeta Bulc

Brüssel - Ob das mit rechten Dingen zu geht? Im Vorstellungsgespräch habe die slowenische Kandidatin für die EU-Kommission, Violeta Bulc, Jean-Claude Juncker davon überzeugt, sie auf die Liste der designierten Kommissionsmitglieder zu setzen. Die aktualisierte Liste liege dem amtierendem Präsidenten des Rats der Europäischen Union und italienischem Premierminister Matteo Renzi bereits vor, heißt es.

Nun müssen die Abgeordneten in der kommenden Woche über ihre Personalien entscheiden. Vermutlich werde Juncker ihr das Transportressort zuteilen. Sobald ihr Portfolio bekannt gegeben sei, werde ein Termin für die übliche Fragerunde, in der sich die Abgeordneten von der Fachkompetenz des Vorgeschlagenen überzeugen sollen, angesetzt werden. Das Procedere endet mit der Abstimmung der Abgeordneten über die Eignung der vorgeschlagenen Kandidaten. - Soweit alles bekannt und nicht ungewöhnlich.

Ungewöhnlich an dieser EU-Kandidatin sind jedoch ihre Hobbys: die Unternehmerin ist bekennende Esoterikerin, glaubt an die "Kraft von Netzwerken, das holistische Individuum und positive Energie". In ihrem Blog und auf ihrem Youtubekanal veröffentlicht sie ihre Ansichten ganz freimütig und sorgt damit für einen kleinen Skandal innerhalb der Abgeordnetenkreise des EU-Parlaments.

"Diese Dame würde ich in meinem eigenen Haus keine Stunde allein lassen", ereifert sich der Chef der CDU/CSU-Gruppe im Europaparlament, Herbert Reul. "Wer weiß schon, was sie dort anstellt." Reul ging sogar soweit, vorzuschlagen, "eventuell müsse man Bulc einweisen lassen". Viel Spott erntete die Unternehmerin auch im Internet. Dort schlugen Leser vor, man könne sie doch zur EU-Kommissarin zur Förderung "positiver Energie" ernennen.

Ungewöhnlich ist ihr Weg bis auf die Liste der designierten Kommissionsmitglieder allemal. Ursprünglich gar nicht für das Amt vorgesehen, stellt sie den Ersatz für die vom EU-Parlament abgelehnte Slowenin Alenka Bratušek. Bulc selbst ist erst seit wenigen Wochen auf der politischen Bühne aktiv: als slowenische Entwicklungsministerin. Sie gilt als enge Vertraute des neuen Premiers Miro Cerar, der ihre Nominierung gegen starken Widerstand im eigenen Kabinett durchsetzte und mit Hilfe eines Tricks überhaupt erst dafür sorgte, dass die Slowenin ins EU-Parlament ziehen darf: er zählte alle an der Abstimmung verhinderten Minister einfach ins Bulc-Lager. Trotz fehlender politischer Erfahrung und keinerlei Kenntnisse bei Verkehrsthemen schaffte es die Politikerin, Juncker von sich zu überzeugen. Der sprach im Nachhinein davon, das Vorstellungsgespräch sei "exzellent" verlaufen. Ob Magie im Spiel ist, oder nicht, mit nennenswertem Widerstand gegen die neue Personalie sei kaum mehr zu rechnen, heißt es. Die Mehrzahl der Abgeordneten wollen die Aufnahme der Arbeit der Juncker-Kommission schnell vorantreiben; am ersten November solle diese beginnen.

Sollte Bulc nicht einen ähnlich schlechten Auftritt wie ihre Vorgängerin und ehemalige Regierungschefin Bratusec hinlegen, gilt ihre Besetzung in der Kommission als sicher. Man darf gespannt sein, wieviel der "positiven Energie" der Slowenin über das Parlament beim Bürger ankommt.

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