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Gedenktage für Vertriebene

Ungarn gedachte der vor 70 Jahren vertriebenen Donauschwaben

Dienstag, 26 Januar 2016 23:11 geschrieben von  Albrecht Lose und Patricia Koperski
Flagge von Ungarn Flagge von Ungarn

Budapest - Womit sich deutsche Politiker oftmals schwer tun, nämlich den deutschen Opfern des Zweiten Weltkrieges zu gedenken, hat nun Ungarn im vollen Umfang gleich für vier Tage durchgeführt. So zelebrierte Ungarn in der letzten Woche für vier Tage eine Gedenkveranstaltung zu Ehren der vertriebenen Donauschwaben, welche 1946 aus demselben Land vertrieben wurden.

Nach der Kranzniederlegung am vierten Gedenktag erfolgte in der Heiligen Messe in der Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk ein feierliches Gedenken. Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán selbst hielt dabei die Festrede und gab unmißverständlich zu verstehen, daß Ungarn dem Schutz der Identität sowie der scharfen Verurteilung von Vertreibungen und ethnischen Säuberungen einen hohen Stellenwert beimißt.

Des Weiteren betont er in seiner eindrucksvollen Rede: "Die offizielle Bezeichnung lautete Aussiedlung, doch dieses Wort hatte mit der Wahrheit nichts zu tun. Was Aussiedlung genannt wurde, bedeutete die Ausplünderung und die Vertreibung der ungarischen Schwaben. Sie wurden ihrer Heimat beraubt. (...) Die Ungarndeutschen können bis auf den heutigen Tag eine Kultur die ihrige nennen, deren Fäden tief in das Gewebe der ungarischen Kultur eingeflochten sind. Wenn wir diese Fäden herauszögen, so würde das gesamte Gewebe zerfallen. Die ungarische schwäbische Gemeinschaft stellt einen organischen und unveräußerlichen Bestandteil der ungarischen Kultur dar."

An der Veranstaltung nahmen auch weitere hochrangige ungarische Politiker, wie beispielsweise der Minister für Humanressourcen Zoltán Balog, der Vorsitzende der Selbstverwaltung der Ungarndeutschen Otto Heinek, und der Fürsprecher der Deutschen in der Ungarischen Nationalversammlung Imre Ritter teil. Ferner waren mit Hartmut Koschyk MdB und der Präsident des Bundes der Vertriebenen (BdV) Dr. Bernd Fabritius, ebenfalls MdB, auch deutsche Politiker sowie Vertreter deutscher Minderheiten zu der Gedenkveranstaltung eingeladen.

Koschyk, der zugleich Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und deutsche Minderheiten ist, sprach lobende Worte für die Selbstverwaltung der Ungarndeutschen während seiner Rede in der Pfarrkirche St. Nepomuk aus und bezeichnet sie als wichtige Brückenfunktion zwischen den Kulturen. Bereits zuvor hatte Dr. Fabritius die engen Kontakte zwischen dem BdV und Vertreter der Regierung Ungarns gewürdigt.

Bei der Vertreibung, die auf 1946 datiert wird, aber bereits 1944 seine Anfänge nahm, waren insgesamt bis zu 40.000 Ungarn deutscher Abstammung betroffen. Dabei handelte es sich zumeist um junge Frauen und Männer im Alter zwischen 16 und 40 Jahren. Auf Befehl der Sowjetunion wurden diese dann zur Zwangsarbeit dorthin verschleppt, wo viele dann in russischen Arbeitslagern ums Leben kamen.

Bezüglich der kürzlich stattgefundenen Gedenktage übte sich die sog. etablierte Presselandschaft weitestgehend im Schweigen, obwohl Vertreter der bundesdeutschen Politik anwesend waren. Die Schweigsamkeit läßt sich vielleicht damit erklären, daß Otto Normalverbraucher nicht mitbekommen soll, daß Ungarn der Bundesregierung nicht nur in Sachen Asylpolitik voransteht, sondern ebenso in Sachen deutscher Gedenkkultur.

Letzte Änderung am Dienstag, 26 Januar 2016 23:22
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