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Gedenkstunde zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges...

...verkommt zum Säbelrasseln gegen Russland

Mittwoch, 10 September 2014 17:42 geschrieben von  Susanne Hagel
Prof. Dr. Norbert Lammert, CDU/CSU Prof. Dr. Norbert Lammert, CDU/CSU Quelle: norbert-lammert.de

Berlin - Mit einer Gedenkstunde gedachte heute der Bundestag dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges.

Dieser begann vor 75 Jahren am 1. September 1939 mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen. Als Gastredner begrüßte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) deshalb den polnischen Staatspräsidenten Bronislaw Komorowski. Laut Lammert grenze es an ein "Wunder", dass Deutsche und Polen trotz des "verheerendsten Krieges in der Geschichte" Freunde wurden. Komorowski lobte ebenfalls das heute gute Verhältnis zwischen Deutschland und Polen. Es sei wundervoll, dass heute, 25 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer, eine junge Generation von Deutschen und Polen zusammen lernen und arbeiten könnte. Später nahmen beide Bezug auf Europa. "Was die Europäer verbindet ist die Überzeugung, dass die Würde des Menschen unveräußerlich ist.", so Komorowski. Die westlichen Werte müssten auch in der Ukraine verteidigt werden. "In Zeiten, in denen wir, die Menschen der freien Welt, uns neuen Herausforderungen stellen müssen, endet unsere Verantwortung nicht an den Grenzen der Europäischen Union." Es sei eine sehr gute Nachricht, dass die Nato beschlossen habe, die Ostflanke des Bündnisses zu stärken. Es gäbe Mächte in der Welt, die auf eingegangene Verpflichtungen keine Rücksicht nehmen, sobald sie bei ihren bisherigen Partnern eine Schwächung spüren, so der Pole in Anspielung auf Russland. Er wünsche sich, dass die westlichen Mächte eine "entsprechende Antwort finden" mögen. "Die westlichen Werte müssen verteidigt werden, ob in der Ukraine, in Syrien oder im Irak. Die Aggressoren dort verachteten die Werte, die uns wichtig sind." Komorowski sprach angesichts der Entwicklungen in der Ukraine von der "Gefahr einer Wiedergeburt einer faschistischen Ideologie" und kritisierte Russlands Verhalten aufs Schärfste.

Es ist beschämend, dass Polens Staatschef diese Gedenkstunde dafür missbrauchen durfte um neuerlich mit den Säbeln zu rasseln, statt, wie es einem solchen Anlass würdig, der Opfer zu gedenken und den Frieden anzumahnen. Doch als hätte keiner der Anwesenden etwas aus dem vergangenen Krieg gelernt, erntete Komorowski Beifall statt Protest bei seinen Forderungen nach einer entschiedeneren Haltung gegenüber Russland: "Die Zeiten der Friedensdividende nach dem Ende des Kalten Krieges sind vorbei". Er fordere deshalb verstärkte militärische Anstrengungen der EU in der Ukraine.

Wohin dies führen kann, dürfte jeden der Anwesenden an diesem Tag eigentlich bewusst sein.

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