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Zu starkes Engagement für deutsche Vertriebene

Vertriebenen-Chef des Amtes enthoben

Mittwoch, 17 Dezember 2014 21:41 geschrieben von  Susanne Hagel
Manfred Kittel Manfred Kittel Quelle: wikipedia.org | Foto: Mef.ellingen | CC BY 3.0

Berlin - Nachdem es in der Vergangenheit immer wieder Kritik an der Arbeit des Direktors der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung (SFVV) gegeben hatte, muss Manfred Kittel nun gehen. Der Stiftungsrat wirft ihm unter anderem vor, bei seiner Arbeit zu sehr "auf die Vertreibung der Deutschen fokussiert" gewesen zu sein.

Wie der Stiftungsrat der in Berlin ansässigen und organisatorisch dem Deutschen Historischen Museum zugeordneten Stiftung bekannt gab, sei Kittel, der seit 2009 dieser als Direktor vorstand, mit sofortiger Wirkung entlassen. Zuletzt hatte es mehrfach Spannungen mit dem Stiftungsbeirat, der sich aus verschiedenen Wissenschaftlern mehrerer Länder zusammensetzt, gegeben. So werfen vor allem die polnischen Mitglieder des Rates Kittel vor, diesen im Vorfeld von Ausstellungen übergangen zu haben um bewusst die Vertreibung der Deutschen stärker zu betonen. So wurde Kittel vorgeworfen, den Beirat absichtlich spät über die in Griechenland erstellte Wanderausstellung "Twice a stranger" informiert zu haben. Weil den Mitgliedern des Rates der Anteil der Vertreibung der Deutschen aus Polen zu umfangreich und ohne Voranstellen der Kriegsgeschehnisse nicht objektiv genug erschien, musste der komplette Teil über die Vertreibung der Deutschen kurzfristig entfernt werden. Brüskiert über die ihrer Meinung nach verspätete Bekanntgabe des Inhalts der Ausstellung, kritisierte der Beirat mehrfach Kittels fehlende Kommunikationsbereitschaft. Der Konflikt mündete Anfang November darin, dass einige Mitglieder des 15-köpfigen Gremiums dem Direktor das Vertrauen entzogen und die Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), die zugleich Vorsitzende des Stiftungsrat ist, dazu auf, in einem Krisengespräch Kittel abzusetzen.

Kittel, der seit der Gründung der Stiftung vorsaß, wurde wiederholt vorgeworfen, seinen Blick zu stark auf das Thema der deutschen Vertreibung zu richten. Ein Vorwurf, der angesichts der Tatsache, dass Kittel eine Vertreibungsstiftung leitete, nicht wirklich nachvollziehbar scheint. Der Druck ausländischer Wissenschaftler im Rat ist indes derart groß, dass jegliche Ausstellungsplanung zum Kampf mutierte. Im Zentrum der Streitigkeiten stand dabei stets die Kernfrage: Sollte die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg "das" Schwerpunktthema der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung sein oder nur ein Thema von vielen Vertreibungsgeschichten überall auf der Welt. Kittel beantwortete diese Frage eindeutig: Seiner Meinung nach sollte es in einem deutschen Zentrum derartigen Themas wesentlich auch um die eigene Geschichte gehen. Vor allem den polnischen Beiratsmitgliedern stieß dies jedoch immer wieder auf - angesichts des negativen Bildes für ihr Land bis zu einem gewissen Grade verständlich. Nach dem die Fürsprecherin und langjährige Bund der Vertriebenen (BdV)-Vorsitzende Erika Steinbach (CDU) ihr Amt aufgab und ihr Nachfolger Bernd Fabritius (CSU) direkt nach Amtsantritt bekannt gab, nicht länger an Steinbachs Weg festzuhalten, sondern Ansprüche von deutschen Vertriebenen endgültig aufzugeben und stattdessen auf Polen zuzugehen, war auch Kittels letzter Rückhalt geschwunden.

In Konsequenz der zerrütteten Strukturen bat der Historiker Manfred Kittel den Stiftungsrat, ihn aus dem Amt zu entlassen. Diesem Wunsch sei das Gremium nachgekommen, erklärte die Stiftung. Nun soll die Stelle des Direktors ausgeschrieben werden. Wie die Stiftung bekannt gab, solle eine Kommission aus Vertretern des Parlaments, der Kirchen, des BdV und Grütters einen Nachfolger benennen. "Bis zur Nachbesetzung stehen die drei leitenden Mitarbeiter der Stiftung als Ansprechpartner" zur Verfügung, so die SFVV, "in enger Abstimmung" mit Grütters und ihrer Abteilung.

Letzte Änderung am Donnerstag, 18 Dezember 2014 02:15
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