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Doppelzüngigkeit bei der Solidaritaet mit Flüchtlingen

Wie Politiker, Promis und Asylromantiker von der Bevölkerung unbeschränkte Solidarität einfordern, aber die Aufnahme von Flüchtlingen bei sich privat ablehnen

Donnerstag, 22 Oktober 2015 23:18 geschrieben von  Albrecht Lose

Berlin - Im Zuge der aktuellen Flüchtlingkrise wird von Politikern und Prominenten immer wieder die unbeschränkte Solidarität mit Flüchtlingen eingefordert. Die Bevölkerung solle doch mehr Empathie gegenüber den Asylsuchenden zeigen. Doch wenn es ans Eigene geht, vergessen genau jene Moralapostel oftmals ihre selbst eingeforderte Solidarität.

Erst kürzlich gab die Kanzlerin, Angela Merkel, höchst persönlich in einem Interview mit "Focus-online" zu, daß sie Flüchtlinge nicht bei sich privat aufnehmen würde. Schließlich sei das Aufgabe des Staates, Flüchtlinge unterzubringen, entgegnete sie. Dennoch hat sie offenbar kein Problem damit, daß notfalls private Immobilien als Unterkünfte für Asylanten zwangsenteignet werden können. Solange es wahrscheinlich nicht ihrer eigenen Immobilie betrifft.

Ähnlich verhält es sich beim Popsänger Herbert Grönemeyer, welcher sich zusammen mit Til Schweiger für sog. Flüchtlinge einsetzt und sein Flüchtlingsagagement gerne auch anderen schmackhaft machen will. Nur die private Unterbringung von Asylanten in seinen vier Wänden kann sich wohl auch ein Grönemeyer nur schwer vorstellen. Dies ließ der Asylromantiker in einer Sendung von Günter Jauch durchblicken, welche sich dem allgegenwärtigen Flüchtlingsthema widmete. Als nämlich die Sozialamtsleiterin der Stadt Fürth, Michaela Vogelreuther, Minuten zuvor die Situation schilderte, und deutlich machte, daß sie bei der Unterbringung von täglich 50 angereisten Asylforderern Probleme haben, kam dem Popsänger nicht in den Sinn, selbst zu helfen. Bei einem Flüchtlingsversteher, wie Grönemeyer, hätte man doch erwarten können, daß er die Frau entlastet, indem er sich zur Aufnahme von 50 Asylanten bereit erklärt.

Grönemeyers Doppelmoral wird zudem darin deutlich, als ihm die Frage gestellt wird, wieviel Flüchtlinge er denn bereits bei sich aufgenommen habe. Darauf entgegnete er, daß Großbritannien nur 2.000 aufgenommen hätte. Allein an dieser Aussage ist zu erahnen, daß er die dauerhafte unmittelbare Nähe zu Asylanten lieber meidet. Wäre ihm an der Solidarität mit Flüchtlingen wirklich so gelegen, hätte er, auch wenn es nur wenige Asylanten in Großbritannien sind, einigen davon ein viel besseres Zuhause in seiner Villa geben können.

Mit Grönemeyer gibt es allerdings nicht den einzigen prominenten Asylromantiker, der eine private Unterbringung von Einwanderern bei sich für weniger gut heißt. So meinte selbst der bereits erwähnte Musterflüchtlingsversteher Til Schweiger erst kürzlich, daß er Flüchtlinge bei sich zu Hause nicht aufnehmen könne, weil er ständig unterwegs sei. Das klingt bei einer Person, welche über eine Haushälterin verfügt, doch sehr sonderbar. Selbst wenn diese Haushälterin nicht ausreiche, um mehrere Asylforderer zu betreuen, wäre es doch für einen Millionenverdiener, der selbst ein ganzes Heim finanzieren wollte, eine Leichtigkeit, weitere Haushälterinnen oder Haushälter einzustellen. Ebenso gab der Sänger der Gruppe "Die Prinzen" bereits im vergangenen Jahr auf eine Frage, ob er denn Flüchtlinge bei sich privat aufnehmen würde, zu, daß er die private Unterbringung für schwierig hält und daher dies ablehnt.

Aber nicht nur prominente Asylromantiker tun sich mit sog. Flüchtlingen in ihrer direkten Nachbarschaft schwer, sondern erstaunlicherweise auch Vertreter der linken Szene, welche sich nach außen immer gerne als besonders humanitär verkaufen. So wehrt sich ein linksalternatives Zentrum in der Potsadamer Vorstadt Teltow gegen ein geplantes Flüchtlingsheim in ihrer Nähe. Die Stadt Potsdam wollte zwei Hallen nahe dem Kulturzentrum zur Verfügung stellen, wo 100 Asylsuchende eine Platz finden sollten. Ebenso war es vorgesehen, daß die Asylanten auch die sanitären Anlagen und Gruppenräume des linken Kulturzentrums mitbenutzen.

Allerdings wurde der Stadt in gekonnt "politisch korrekter" Art promt eine Absage erteilt. Vertreter des Zentrums schildern dabei, daß die Unterbringung für Flüchtlinge unzumutbar sei. Doch wirkt die erste Begründung zur Ablehnung einige Absätze später als nur vorgeschoben. So geben die Betreiber in nachfolgenden Zeilen zu verstehen, daß der Betrieb des Zentrums weitergehen müsse, durch die Aufnahme von Flüchtlingen aber mit Einschränkungen zu rechnen sei. Immerhin werden dort viele Partys und Konzerte veranstaltet, welche tief bis in die Nacht andauern. Hiernach gewinnt man den Eindruck, als würden die selbsternannten Humanisten Partys und Konzerte höher wiegen als die Humanität.

Letzte Änderung am Freitag, 23 Oktober 2015 05:29
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