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Präventionsprogramm gegen Salafisten

Wuppertal startet Programm gegen Salafismus

Mittwoch, 08 April 2015 23:28 geschrieben von  Dirk Schneider
Ralf Jäger (SPD) Ralf Jäger (SPD) Quelle: ralf-jaeger.de

Düsseldorf - Das Land Nordrhein-Westfalen baut sein Präventionsprogramm gegen Salafismus weiter aus: Im Rahmen des Programms „Wegweiser – gemeinsam gegen gewaltbereiten Salafismus“ wird eine weitere Anlaufstelle in Wuppertal eröffnet. Auch hier waren vor einigen Monaten radikale Islamisten als „Schariapolizei“ durch die Straßen gezogen.

Damit wird bereits die vierte Einrichtung in NRW im Rahmen des Programms eröffnet. Zuvor wurden bereits Anlaufstellen in Düsseldorf, Bochum und Bonn eröffnet. Man wolle vor allem Lehrern, Eltern und Geschwistern eine Anlaufstelle bieten, wenn sie glauben, jemand aus ihrem Umfeld drohe in den gewaltbereiten Salafismus abzurutschen, erklärte der Innenminister Ralf Jäger (SPD).

Erfahrungsgemäß kämen häufig Männer oder Schwestern. „Die sagen, wir kommen an unseren Sohn nicht mehr heran, der kleidet sich anders, er ist plötzlich hochreligiös oder scheinbar religiös und driftet uns davon“, so Jäger. „Dann müssen wir eine Beratungsinstitution haben, die diesen Familienangehörigen hilft, aber andererseits auf diesen Jugendlichen, auf diesen jungen Mann – es sind fast immer junge Männer – zugehen kann.“

Inzwischen ist die Anzahl der in NRW lebenden Salafisten auf 1.900 Personen gestiegen: Damit gilt das Bundesland als Hochburg des Salafismus. „Die vielen Nachfragen von besorgten Angehörigen, Freunden oder auch Lehrern zeigen: das Projekt wird angenommen“, erklärte der Innenminister. Knapp ein Jahr nach dem Beginn könne man bereits von einem erfolgreichen Projekt sprechen. Rund vierzig Hilfesuchende pro Woche wendeten sich an die Berater vor Ort. Insgesamt arbeite man derzeit mit etwa dreißig Jugendlichen besonders intensiv um ihre Radikalisierung zu verhindern.

„Wir haben genau den richtigen Weg eingeschlagen und werden ihn konsequent fortsetzen“, betonte Jäger.  Er kündigte die Eröffnung weiterer Beratungsstellen in Duisburg, Dinslaken (Kreis Wesel), Köln und Dortmund an. „Wegweiser“ sei als umfassendes Präventionsprogramm konzipiert, erklärte der SPD-Politiker. „Es setzt früher an und wirkt breiter als jedes Aussteigerprogramm. `Wegweiser´ nimmt die Ursachen in den Blick.“ Das Projekt leiste passgenaue und unmittelbare Hilfe bei der Verhinderung des Einstiegs junger Menschen in die salafistische Szene. Dabei spanne sich der Maßnahmenkatalog der Sozialarbeiter von Beratung und Gesprächen über Hilfe bei schulischen Problemen oder etwa Unterstützung bei der Arbeitsplatzsuche. Auch weitere Fachleute werden gegebenenfalls zu Rate gezogen.

Man könne auch schon positive Bilanzen ziehen: Einige der Jugendlichen gehen demnach wohl wieder zur Schule oder haben wieder Kontakt mit ihrer Familie. „Das Konzept einer Beratungsstelle vor Ort greift. Die Kompetenz wird wahrgenommen und genutzt. Eine wichtige Voraussetzung, um junge Menschen vor dem Abgleiten in die Radikalisierungsfalle zu bewahren.“

Letzte Änderung am Mittwoch, 08 April 2015 23:35
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