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Nationale Armutskonferenz

Zahl der Armen in Deutschland steigt

Montag, 19 Oktober 2015 19:04 geschrieben von  Susanne Hagel
Zahl der Armen in Deutschland steigt Zahl der Armen in Deutschland steigt

Berlin - Die Nationale Armutskonferenz schlägt Alarm: Laut ihres „Schattenberichts 10 Jahre Hartz IV“ sei die Zahl der Armen in Deutschland deutlich gestiegen. Bereits vor dem massiven Zustrom an Asylanten sei die Situation dramatisch gewesen. Nun verschärfe sie sich weiter.

Wie das Bündnis aus Wohlfahrtsverbänden, Kirchen und dem Deutschen Gewerkschaftsbund mitteilte, sei vor allem für Alleinerziehende, Alte und Kinder das Armutsrisiko deutlich angestiegen. Rund vierzig Prozent aller Alleinerziehenden lebten von Hartz IV, erklärte Anne Lenze, Sozialexpertin aus Darmstadt. Schon heute wachse jedes fünfte Kind in Deutschland „in einer einkommensarmen Familie auf“, warnte Frank Hensel, der Sprecher der Armutskonferenz.

Hinzukomme die zunehmende Altersarmut: waren 2003 etwa 250.000 Rentner in Deutschland auf Sozialleistungen angewiesen, habe sich die Zahl mittlerweile auf eine halbe Million erhöht. Und das Rentenniveau sinkt weiter. „Bis zum Jahr 2030 wird – so politisch entschieden – das Rentenniveau auf 43 Prozent sinken. Die Folge wird sein, dass die Anzahl der Rentnerinnen und Rentner, die auf Grundsicherung im Alter angewiesen sind, deutlich steigt“, mahnte Hensel.

Auch der Mangel an bezahlbaren Wohnraum wird sich bald auswirken, erklärte Werena Rosenke, Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungshilfe. Derzeit seien bereits 335.000 Menschen obdachlos – Höchststand seit zehn Jahren. Rosenke kritisierte die Politiker scharf: Sie seien verantwortlich für diese Zustände, weil sie die Wohnungsfrage dem Markt überlassen und nichts gegen den Verlust von Sozialwohnungen unternommen habe. Seit 2002 seien so über eine Million dieser Wohnungen verschwunden. Und das obwohl jedes Jahr ein Bedarf von rund 150.000 neuen Sozialwohnungen für arme Menschen in Deutschland besteht. „Wer arm ist und seine Wohnung verliert, hat in diesen Zeiten kaum Chancen, wieder eine Wohnung zu erhalten“, so Rosenke.

Die Verfasser des Schattenberichts fordern die Politik auf, endlich zu handeln. Angesichts der starken Zunahme an Asylbewerbern, die nun auf den Arbeitsmarkt strömen und für die Wohnraum benötigt werde, könne es sonst zu einer Situation kommen, in der „die einen Armen gegen die anderen – die zugewanderten – Armen“ ausgespielt würden, erklärte Rosenke. Das müsse um jeden Preis verhindert werden.

„Armut ist kein unglücklicher Zufall“, betonte Hensel. „Wir dürfen keine weiteren Jahre mehr verlieren“ beim Kampf gegen Armut und soziale Ausgrenzung in Deutschland, forderte er.

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