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Grüne sehen Versagen von Andrea Nahles

Zahl der Minijobs steigt

Dienstag, 28 Oktober 2014 09:45 geschrieben von  Susanne Hagel
Andrea Nahles, SPD Andrea Nahles, SPD Quelle: SPD | Foto: Dominik Butzmann

Berlin - Nach Angaben der Bundesregierung hat sich die Zahl der Menschen in Deutschland, die neben ihrem sozialversicherungspflichtigen Hauptberuf noch einen abgabenfreien Minijob haben, in den letzten zehn Jahren verdoppelt.

So haben allein im vergangenen Jahr rund 2,35 Millionen Arbeitnehmer einen Minijob angemeldet. Damit nutzt mittlerweile jeder dritte geringfügig Beschäftigte diese Kombination. Noch immer sind über die Hälfte der 7,65 Millionen Geringverdiener Frauen (61 Prozent). So ergibt sich für das Jahr 2013, dass 17,8 Prozent aller Arbeitnehmer nur ein geringfügiges Einkommen beziehen. Immer mehr dieser schlechtbezahlten Arbeitnehmer seien so gezwungen, finanziell mit Hilfe von Minijobs aufzustocken. "Minijobs sind eine Niedriglohnfalle", so die Arbeitsmarktexpertin der Grünen, Brigitte Pothmer, auf deren Kleinen Anfrage hin das Sozialministerium die Zahlen veröffentlichte. "Sie entpuppten sich häufig als berufliche Sackgasse und erschweren damit vor allem Frauen die eigenständige Existenzsicherung." Dass der Staat zusätzlich noch Anreize schaffe, um die Möglichkeit eines Zweitjobs neben dem Hauptberuf zu hofieren, gehöre "unverzüglich gestoppt". Die Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) habe vor ihrem Versprechen, Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umzuwandeln, "vollständig kapituliert", so der Vorwurf Pothmers. "Stattdessen brauchen wir Anreize für Existenz-sichernde Beschäftigung."

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte, ein Ende der geringfügig entlohnten Beschäftigungsverhältnisse. Diese könnten stattdessen in echte Teilzeit umgewandelt werden. "Wir schlagen dazu eine Gleitzone ab dem ersten Euro bis 800 Euro vor, bei der die Arbeitgeber insbesondere im unteren Einkommensbereich den Großteil der Sozialabgaben allein tragen", erläutert Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. "Seit 2003 nimmt die Zahl der Minijobber im Nebenberuf ununterbrochen zu. Für die Arbeitgeber sind Minijobber flexible und billige Kräfte." Nun müsse die Bundesregierung handeln. Union und SPD hatten im Koalitionsvertrag angekündigt, "die Übergänge aus geringfügiger in reguläre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung erleichtern" zu wollen. Sozialstaatssekretär Jörg Asmussen teilte jedoch mit, die Umsetzung sei "noch nicht entschieden." Man habe ja bereits "eine Annäherung an die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bewirkt", indem man im vergangenen Jahr die grundsätzliche Rentenversicherungspflicht eingeführt habe und durch den ab kommenden Jahr geltenden Mindestlohn werde auch "die Einkommenssituation vieler geringfügig Beschäftigter merklich" verbessert. Dieses Argument ließ Pothmer jedoch nicht gelten: angesichts der Tatsache, dass sich 2013 nahezu siebzig Prozent der Minijobber von der Rentenversicherung befreien ließen.

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