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Anstieg um 59 Prozent

Zahl der Sozialbestattungen nimmt massiv zu

Montag, 09 Februar 2015 23:10 geschrieben von 

Berlin - Dass immer mehr Deutsche in Armut leben, ist kein Geheimnis mehr. Das hat auch nach dem Tod Konsequenzen. Beerdigungen kosten immer mehr Geld, sodass viele Menschen sich eine würdige Bestattung der verstorbenen Angehörigen nicht leisten können. Die Kosten betragen häufig mehr als 6.000 Euro. In Fällen, bei denen keine Hinterbliebenen vorhanden sind oder diese sich eine Bestattung nicht leisten können, übernimmt die öffentliche Hand laut Gesetz die „erforderlichen Kosten einer Bestattung“.

Den Angaben des Statistischen Bundesamtes zufolge war im Jahr 2006 bei 13.800 Verstorbenen eine sogenannte Sozialbestattung notwendig. Im Jahr 2013 waren es bereits 23.500 Bestattungen, bei denen die öffentliche Hand einspringen musste. Dies bedeutet einen Anstieg um 59 Prozent. Die Kosten stiegen von 41,3 Millionen auf 60,61 Millionen Euro.

Die Leistungen sind nicht einheitlich geregelt. Laut Gesetz ist ein einfaches, aber würdiges und ortsübliches Begräbnis. Diese Bezeichnung lässt viele Fragen offen, was tatsächlich übernommen wird. Das hat Sozialbestattungen nach Kassenlage zur Folge.

Die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann spricht sich dafür aus, dass sichtbare Armenbegräbnisse zu unterbleiben haben. Zimmermann dazu wörtlich: „Notwendig sind verbindliche und bundesweit einheitliche Standards, die ein Mindestniveau an Bestattungskultur und Menschlichkeit garantieren und über das bloße „unter die Erde bringen“ hinaus gehen.“ Zimmermann geht davon aus, dass die zunehmende Altersarmut einen Anstieg der Sozialbestattungen mit sich bringen wird. Da die Kommunen ebenfalls finanziell überlastet sind, hält sie es für wahrscheinlich, dass sie die Übernahme der Kosten senken könnten. Zimmerman weiter: „Dabei wäre es in vielen Regionen notwendig, die Leistungen anzuheben, um auch armen Menschen ein würdevolles Begräbnis zu Teil werden zu lassen.“

Der Verwalter des Friedhofs in Berlin-Karlshorst, Bernd Thürling sagt zu den Ursachen vieler Sozialbestattungen: „Wenn jemand ins Pflegeheim kommt, gibt er häufig seine Ersparnisse dafür aus. Für die Bestattung ist dann oft nichts mehr übrig.“ Laut seiner Aussage sind die Bestattungen nicht unwürdig, aber deutlich einfacher als übliche. Oft bleibe die Friedhofsverwaltung auf den Kosten für die Organisten sitzen, die notwendig seien, um eine halbwegs individuelle und würdige Atmosphäre gewährleisten zu können.

Es ist damit zu rechnen, dass die Zahl der Sozialbestattungen künftig eher zu- als abnehmen wird.

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