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Überfall auf Linkenpolitiker Julian Kinzel

Zweifel an Messerattacke durch Rechtsradikale verdichten sich

Donnerstag, 14 Januar 2016 22:10 geschrieben von  Albrecht Lose
Zweifel an Messerattacke durch Rechtsradikale verdichten sich Bild: PIXABAY.COM

Berlin - An der Geschichte vom sog. Überfall durch Rechtsradikale auf den Linken-Politiker Julian Kinzel verdichten sich nun offenbar die Hinweise, daß die Tat nur vorgetäuscht wurde. So zweifeln medizinische Gutachter an der Glaubwürdigkeit Kinzels, nachdem sie seine Stich- bzw. Schnittverletzungen in Augenschein nahmen. Nun hat sogar die Staatsanwaltschaft gegen Julian Kinzel wegen Vortäuschen einer Straftat die Ermittlungen aufgenommen.

So gab der junge Wismarer Kommunalpolitiker Julian Kinzel (Linke) der Polizei gegenüber an, daß er von drei dem Rechtsextremismus zugehörigen Männern mit einem Messer angegriffen wurde und dabei mehrere Schnittverletzungen davontrug. Nur durch Glück und seiner dicken Jacke könnten schlimmere Verletzungen verhindert werden, gibt der Linkenpolitiker in einem Interview dem Regionalsender NDR zu verstehen.

Allerdings scheint seine Version mehr als nur zweifelhaft zu sein. Verwunderlich ist bereits der Umstand, daß Kinzel die Anzeige erst einen Tag später nur bei der Internetwache der Polizei aufgab, statt sich sofort persönlich bei der Polizei zu melden. Zudem war er für Medien und Polizei tagelang nicht erreichbar. Merkwürdiger klingt allerdings seine Geschichte, in der er schildert, wie die Täter ihn mit dem Messer attackiert hätten bzw. wie er dabei zu seinen Schnittverletzungen kam.

Er erklärte der Polizei nämlich, daß er die Messerattacke abgewehrt hätte und seine dicke Jacke dabei seine Arme vor schlimmeren Verletzungen geschützt habe. In der Patientenakte der Notaufnahme steht allerdings der Vermerk: Multiple Schnittverletzungen. So wiesen seine Arme Schnittverletzungen auf, die kreuz und quer laufen. Genau darin sehen Gerichtsmediziner das Problem. So meinte eine Gerichtsmedizinerin, der Bilder über Kinzels Verletzungen von einem NDR-Reporter vorgelegt wurden, daß es sehr unwahrscheinlich sei, daß eine so gleichmäßig und oberflächlich aussehende Schnittverletzung unmöglich von einem dick angezogenen Arm herrühren kann, der eine Messerattacke abwehrte. Zusammenfassend wird eben gesagt, daß „die Art der Verletzungen nicht mit dem behaupteten Verlauf des Überfalles in Übereinstimmung zu bringen seien, eine Selbstbeibringung dagegen hinreichend wahrscheinlich ist“.

Wie der NDR bekannt gab, kam auch noch eine weitere Ungereimtheit zum Vorschein. Denn so konnte das vermeintliche Opfer der Polizei nicht die Jacke vorzeigen, die es zur Tatzeit getragen haben will. Die Vergangenheit hat bereits des Öfteren gezeigt, daß Straftaten mit einem angeblichen rechtsextremen Hintergrund vorgetäuscht wurden. Dabei sei u. a. an Sebnitz, wo ein Junge von vermeintlichen Rechtsradikalen ertränkt worden sei, an den Bayerischen Polizisten Manichl, der angeblich von einem bis heute nicht gefundenen Rechtsextremisten mit einem Lebkuchenmesser angegriffen wurde, oder an die Hakenkreuzritzerin von Mittwaida gedacht. Letztere erhielt sogar noch einen Preis für Zivilcourage, weil sie einem kleinen Mädchen mit Migrationshintergrund beigestanden haben will.

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