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Arbeitsmarkt Berlin

Berlin muss 11.000 neue Stellen besetzen

Mittwoch, 20 Januar 2016 23:42 geschrieben von  Susanne Hagel
Landesflagge von Berlin Landesflagge von Berlin

Berlin - Das Land Berlin sucht neues Personal für den öffentlichen Dienst. Bis Ende 2017 müssen 11.000 Angestellte eingestellt werden, erklärte Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD).

„Es geht um rund zehn Prozent der gesamten Personalstärke“, erklärte Kollatz-Ahnen. „Und in den darauffolgenden Jahren wird es so weiter gehen. Der öffentliche Dienst mit all seinen Facetten wird wieder ein Nachfrager auf dem Arbeitsmarkt.“ Nach dem jahrelangen Sparkurs der Verwaltungen mache nun das Wachstum der Stadt einen Ausbau der Verwaltung notwendig. Zudem stehe eine große Pensionierungswelle bevor, die abgefangen werden müsse.

Der Doppelhaushalt 2016/2017 sehe unter anderem über 4.400 neue Stellen in den einzelnen Bezirken und der Hauptverwaltung vor. Weitere 1.170 Lehrerstellen und dreihundert Erzieherstellen seien zu besetzen. Die Polizei der Hauptstadt soll rund fünfhundert zusätzliche Beamte erhalten und das berüchtigte Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) 366 neue Mitarbeiter.

Um die angebotenen Arbeitsplätze attraktiver zu machen, soll die Bezahlung an den Bundesdurchschnitt angepasst werden, so der Senator. Diese liegen dank rot-roter Einsparungspolitik knapp sechs Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. „Das Versprechen lautete damals, dass wir uns in besseren Zeiten wieder an den Bundesdurchschnitt annähern, und dieses Versprechen gilt.“ Mit einer Anhebung wurde bereits 2013 begonnen – rund 100 Millionen Euro wurden dafür allein im vergangenen Jahr ausgegeben.

Die Neueinstellungen werden zu einer großen Herausforderung, erklärte Kollatz-Ahnen. Nach jahrelangem Einstellungsstopp müsse die Verwaltung „das erst wieder lernen“. Bisher sei die Resonanz aber sehr gut: Pro Stelle bewerben sich neun Personen. „Aber wir wissen, dass wir uns behaupten müssen.“

Derzeit arbeiten rund 113.000 Mitarbeiter im Land Berlin. Darunter 86.000 Vollzeitstellen auf Landesebene und 20.000 in den Bezirken. In der Vergangenheit war immer wieder deutlich geworden, dass das Personal im öffentlichen Dienst vorn und hinten nicht ausreicht: Bei den Bürgerämtern entstanden Wartezeiten von teils mehreren Wochen, die Sanierung von Schulen verschleppte sich dramatisch. Zuletzt wurde der Notstand beim Personal auch im Lageso deutlich, welches dem Ansturm von Asylanten nicht annähernd personell gewachsen ist.

Oliver Schruoffeneger (Grüne) kritisierte die zugestandenen Stellen als noch immer zu wenig: „Man müsste das Mehr an Stellen in Beziehung zum wachsenden Bedarf setzen – dann käme heraus, dass nur der gegenwärtige Zustand gehalten wird.“ Beispielsweise gebe es zwar mehr Lehrer, aber eben auch sehr viel mehr Schüler, so dass das Verhältnis bleibe. Hinzukäme, dass die Bezirke aufgrund der schlechteren Bezahlung wohl nicht alle Stellen besetzten können. Das zentrale Problem sei aber das „absurd komplizierte“ Stellenbesetzungsverfahren in Berlin, welches unnötig lange dauert. Bei bis zu 11.000 Stellen sei davon auszugehen, dass es bis zu einem Jahr dauere, bis das Verfahren abgeschlossen sei.

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