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Kamenz/London – Der heutige 22. Januar ist das Wiegenfest zweier europäischer Literaturgrößen, deren Kenntnis aus dem Kanon abendländischer Bildungstradition nicht wegzudenken ist. Der eine - geboren in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts - aus dem Herzen Kontinentaleuropas, der andere - in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts das Licht der Welt erblickend - von der britischen Insel stammend. Die Rede ist zum einen von Gotthold Ephraim Lessing und zum anderen von George Gordon Noel Byron, bekannt als Lord Byron, die beide einen festen Platz in der europäischen Literaturgeschichte einnahmen und einer respektvollen Erwähnung an ihrem Ehrentag würdig sind. Lessing, der große Vorklassiker der deutschen Literatur, kam am 22.01.1729 in Kamenz und der britische Spätromantiker Lord Byron selbigen Tags im Jahre 1788 in London zur Welt. Beiden ist ein gesellschaftlich-politisches Moment ihres Wirkens nicht in Abrede zu stellen und bei beiden war in einem gewissen Sinne der Freiheitsbegriff ein zentrales Motiv. Während Lessing als führender Vertreter der deutschen Aufklärung gilt und eine bedeutende Rolle als Vordenker für das Selbstbewusstsein des Bürgertums einnahm, stand Lord Byron als einer der seinerzeit bekanntesten Repräsentanten des Philhellenismus für den Freiheitskampf der im werden begriffenen griechischen Nation.

Berlin - Am Mittwoch, den 22. April war die Premiere der Faust-Aufführung beider Teile am Berliner Ensemble. Unter der Regie des US-Amerikaners Robert Wilson, gemäß der Dramaturgie von Jutta Ferber mit Anika Bárdos und nach der Musik von Herbert Grönemeyer begleiten 19 junge Schauspieler und acht Musiker die Zuschauer vom Himmel durch die Welt zur Hölle. Letztgenanntes Faust-Zitat aus dessen Vorspielszene des ersten Teils mag nicht allein deshalb als besonders zutreffend erachtet werden, weil der Regisseur abweichend vom Original dem Faust - der die zentrale Stellung in der Wilson-Aufführung an Mephisto verliert - keine Erlösung gewährt, sondern für manchen Goethe-Liebhaber wohl auch deshalb, weil für die Kenner früherer Faust-Inszenierungen das aktuelle Berliner Stück weit hinter den Erwartungen zurückbleiben dürfte.