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Sonntag, 13 März 2016 14:46

Späte Bestimmung für Seebad Prora

Binz/Rügen – Späte Zweckerfüllung? Die zum modernen Feriendomizil umgebaute Hinterlassenschaft der NS-Einrichtung „Kraft durch Freude“ (KdF) in Prora auf der Insel Rügen könnte womöglich doch noch ein Seebad werden. Prora ist ein Ortsteil der Gemeinde Binz auf Rügen, wo zwischen 1936 und 1939 an einer unvollendet gebliebenen Errichtung eines KdF-Seebads gearbeitet wurde. Der Komplex erstreckt sich über eine Länge von etwa fünf Kilometern in einem Abstand von ungefähr 150 Metern zum Strand der Küste, die von der Schmalen Heide bis zum Fährhafen Sassnitz reicht. Den Auftrag zur Errichtung des Seebades, dessen Gesamtentwurf auf der Weltfachausstellung Paris 1937 mit einem Grand Prix ausgezeichnet wurde, erhielt der Architekt Clemens Klotz. Ab den 50er-Jahren begann dann ein Umbau weiter Teile zu einer der monumentalsten Kasernenanlagen in der DDR. Nach der Wiedervereinigung übernahm die Bundeswehr bis Ende 1992 den Komplex. Der Verkauf von Teilen der Anlage gelang der Bundesvermögensverwaltung lange nur mäßig bis gar nicht, weshalb an vielen Teilen zumeist nur unbedingt erforderlichen Sanierungsmaßnahmen durchgeführt wurden.

Nürnberg – Der bayerische Staatsminister für Finanzen ist auch bzw. soll auch Heimatminister sein und verfügt als solcher über einen zweiten Dienstsitz in Nürnberg im Gebäude der alten Bayerischen Staatsbank. Ob es für ein Heimatministerium angebracht ist, in einem Bau zu residieren, das von einem prägenden Nachkriegsarchitekten modernisiert wurde, der sich an internationalen Vorbildern orientierte, mag nachvollziehbar strittig sein. Neben dem schnellen Internet und dem digitalen Bildungsnetz, das sich der Heimatminister auf die Fahnen geschrieben hat, ist er aber auch für die Schlösserverwaltung zuständig. Und man möchte meinen, damit tourismuspolitisch ein gewichtiges Pfund in der Hand zu haben. Umso mehr muss die Frage gestellt werden, woran es liegt, wenn die Ergebnisse weit hinter den Erwartungen zurückstehen. Womöglich ist die Vermarktung nicht ausreichend oder sind die Restaurationsarbeiten ungünstig abgestimmt und mindern die Attraktivität von Besuchen oder versagt die Kulturpolitik dabei, das Interesse am Erleben von Tradition und Landesgeschichte erfolgreich zu vermitteln? Fest steht jedoch, dass hier touristisches und identitätsstiftendes Bildungspotential verschenkt wird.