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Investoren scheinbar irritiert von vielen Strategiewechseln

Müssen Anleger von Guido Sandler (Bergfürst AG) mit finanziellen Verlusten rechnen?

Dienstag, 04 Februar 2020 21:59 geschrieben von 
Dr. Guido Sandler ist CEO der Bergfürst AG Dr. Guido Sandler ist CEO der Bergfürst AG Quelle: Bergfuerst.com

Berlin – Mitte 2015 geriet die in Berlin ansässige Bergfürst AG massiv in die Schlagzeilen. Das im Dezember 2011 von Guido Sandler und Dennis Bemmann gegründete Unternehmen öffnet Immobiliengesellschaften einen digitalen Zugang zu benötigtem Mezzanine-Kapital für Projektentwicklungen und zur Refinanzierung von Bestandsimmobilien. Das war angesichts der wendungsreichen Geschichte des Finanzdienstleisters nicht immer so klar.

Der Berliner „Tagesspiegel“ notierte im Jahr 2012: „Bergfürst ist eine elektronische Handelsplattform, auf der Privatinvestoren sich mit kleinen Beträgen an innovativen Unternehmen in der Wachstumsphase beteiligen können.“ Im Gegensatz zu anderen Crowdinvesting-Portalen erwerbe der Investor aber keine stille Beteiligung, sondern Unternehmensaktien, die auf der Plattform handelbar seien, erläuterte das Blatt. „Wir bieten privaten Anlegern Eigenkapitalbeteiligungen an“, sagte Sandler damals, und Bemmann fügte freimütig hinzu: „Die Chancen sind groß, die Risiken allerdings auch.“ Der „Tagesspiegel“ griff diesen ehrlichen Hinweis dankend auf: „Dass es sich hier um eine hochriskante Anlageform handelt, daraus machen die beiden Gründer keinen Hehl. Anleger sollten auf keinen Fall ihre Altersvorsorge bei Bergfürst investieren, warnen sie.“ Sandler beschrieb den Anlegerkreis so: „Es geht um Investoren, die Spielgeld zur Verfügung haben und die es nicht aus der Bahn wirft, wenn dieses Geld weg ist.“ Inwieweit der Bergfürst-CEO diese Aussage, die immobilieninteressierte Kleinanleger ziemlich verschrecken dürfte, heute so wiederholen würde, ist nicht bekannt.

Das damalige Führungstrio Guido Sandler, Dennis Bemmann und Nicolas Jeissing bewies Mut zu Neuem, als es das 2011 als Crowdinvesting-Plattform gegründete und zwischenzeitlich zum Marktplatz für Immobilienfinanzierungen erweiterte Start-up im Jahr 2014 zur Bank machte. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erteilte der neuen Bergfürst Bank AG eine Lizenz als Wertpapierhandelsbank. Das Unternehmen, das seit 2012 bereits über eine BaFin-Lizenz als Finanzdienstleister verfügte, konnte fortan selbstständig Depotgeschäfte durchführen und erklärte: „Mit Erhalt der Vollbank-Lizenz verabschieden wir uns vom Crowdinvesting.“ Die bisherige Geschäftsidee floppte offenbar, weshalb man plötzlich auf ein leicht geheimnisumwittertes „Neo-Investing“ setzte. Darunter sei „die konsequente Synthese aus den Lektionen der jüngsten Vergangenheit und dem Ursprung des Bankwesens“ zu verstehen. „Neo-Investing lässt disruptive Geschäftsmodelle, die ihre Wurzeln im 21. Jahrhundert haben, in einem regulierten Umfeld gedeihen.“ Für die Fachpresse blieb trotzdem die Frage unbeantwortet, wie dieses Kunstwort geschäftspolitisch denn konkret auszufüllen wäre.

2015 war der Ausflug ins Bankenmetier aber schon wieder vorbei: Bergfürst gab überraschend seine Banklizenz zurück. Den Sommer zuvor hatte Guido Sandler noch wortreich die Vorzüge dieser Lizenz hervorgehoben und mit ihr die Hoffnung verbunden, sich vom wenig erfolgreichen Crowdinvesting-Geschäft lösen zu können. Gegenüber dem Nachrichtenportal „Gründerszene“ begründete er die Abgabe der Banklizenz unter anderem mit viel administrativer Mehrarbeit. Das Online-Magazin für Start-ups stellte in diesem Zusammenhang fest: „Crowdinvesting, Immobilien und ‚Neo-Investing‘: Bergfürst hat schon viel probiert – der Erfolg lässt auf sich warten. Nun gibt die Firma ihre Banklizenz zurück.“ Aus dem Umfeld von Bergfürst war auch zu hören, der Lizenzverzicht sei den hohen Kosten für die Prüfungen der Aufsichtsbehörden geschuldet, was Sandler aber dementierte.

Überdies beklagte ein Bergfürst-Investor fehlende Liquidität des Unternehmens und bezeichnete sie als „echten Killer“. Gruenderszene.de zitierte im Juni 2015 aus dem Blog von Wolfram Stacklies: „Bergfürst hat es nicht geschafft, weitere Unternehmen für Neuemissionen zu begeistern. Als Resultat sind nur wenige Anleger auf Bergfürst, und es findet kaum Handel statt. So versuche ich meine wenigen Anteile bereits seit Wochen (sogar unter dem von Bergfürst angegebenen Kurs) zu verkaufen – leider ohne Erfolg. Und sollte mit Bergfürst die Handelsplattform selbst in Insolvenz gehen, können die Anteile gar nicht mehr verkauft werden. Und so freunde ich mich langsam, aber sicher mit dem Gedanken des Totalverlustes an.“

Inzwischen setzt die Bergfürst AG unter ihrem Vorstandsvorsitzenden Dr. Guido Sandler und Aufsichtsratschef Dr. Oliver Pabst wieder ganz auf ihre Crowdinvesting-Plattform. Dort können sich private Investoren bei jährlichen Zinsversprechen zwischen 5,0 und 7,5 Prozent schon ab 10 Euro an einzelnen Immobilien und Immobilien-Portfolios beteiligen.

Bei dem RelaxSparplan werden Geldbeträge monatlich bequem per Lastschrift eingezogen und in von Bergfürst beworbene Projekte investiert. Als RelaxAnlage ist auch eine Einmalzahlung möglich. Unabhängig von der Einzahlungsform wird das Geld via RelaxImmo im diversifizierten Immobilien-Portfolio des Berliner Finanzanlagevermittlers angelegt. Das RelaxSparen hat eine Laufzeit von bis zu 6,5 Jahren und stellt eine Jahresrendite von 5,3 Prozent bei meist indirekter grundbuchlicher Besicherung in Aussicht. Alle Zinsen und Darlehensrückzahlungen werden während der Laufzeit automatisch reinvestiert, wobei die Sparrate jederzeit geändert werden kann. Der Immobilien-Crowdfinanzierer weist darauf hin, dass das Relax-Sparmodell nur für risikobereite Investoren gedacht ist, die mit einer Langfristperspektive von rund sechs Jahren Geld anlegen wollen und nicht zu einem früheren Zeitpunkt auf das Kapital zurückgreifen müssen. Ausdrücklich heißt es: „Die Anlage ist nicht geeignet für Investoren, die einen Ausfall von Zinszahlungen und/oder den teilweisen oder vollständigen Verlust des angelegten Kapitals wirtschaftlich nicht tragen können.“ Für sicherheitsbedachte Mikroinvestoren dürfte dieses Anlageprodukt somit ausscheiden.

Ganz generell unterstreicht die Bergfürst AG, dass die Beteiligung an alternativen Immobilienfinanzierungen mit vielen Risiken verbunden ist und immer nur als Bestandteil eines breitangelegten Portfolios erfolgen sollte. So betont man: „Der Erwerb von Vermögensanlagen, die auf bergfuerst.com vermittelt werden, kann mit erheblichen Risiken verbunden sein, die zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen können.“ Die eigenen Angebote richteten sich deshalb ausschließlich an Kunden, „die ausreichende Kenntnisse und Erfahrungen haben, um die Risiken von Vermögensanlagen zu verstehen und eigenverantwortliche Investmententscheidungen zu treffen“. Es könne vorkommen, dass für einige der auf der Online-Plattform angebotenen Vermögensanlagen ein von der BaFin gebilligter Verkaufsprospekt fehle, sofern dies der Gesetzgeber zulasse. Weitergehende Informationen erhalte der Anleger unmittelbar vom Anbieter oder Emittenten der Vermögensanlage. Eine genaue Risikoabwägung scheint bei den Anlagemodellen von Bergfürst unverzichtbar zu sein.

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